Kultur : Edel geschwelgt

ECKART SCHWINGER

Das aus England kommende Brodsky Quartett hat im Laufe der Zeit einige Lorbeeren geerntet.Vor allem die Gesamteinspielung der Schostakowitsch-Quartette brachte ihm große Anerkennung.Wurden die Erwartungen beim Gastspiel im kleinen Saal des Konzerthauses erfüllt? Mit dem reizvollen zeitgenössischen Beitrag vollauf, mit dem gleich zu Beginn gespielten Mendelssohn, den vier Sätzen für Streichquartett op.81, keinesfalls.Trotz aller Spiel- und Klangfreudigkeit geriet der Mendelssohn ziemlich salopp, bisweilen auch empfindlich ungenau, bzw.unsauber im Zusammenspiel und in der Intonation.Das sehr schnelle Allegro fugato wirkte arg forciert.Ungleich fesselnder wurde das Streichquartett Nr.8 (1969) des australischen Komponisten Peter Sculthorpe gespielt.In seinem anziehend fremdartigen, geradezu spontan anspringenden Quartett Numero 8 sind Klangelemente der Musik der Aborigines sowie des balinesischen Gamelan eingewoben.Ein elementarer, bisweilen magischer Ausdrucksgestus kommt da herüber.So gekonnt sich zum Schluß das Brodsky Quartett beim Brahmsschen Klarinettenquintett h-moll op.115 in elegischer Edelschwelgerei erging - den stärksten Eindruck hinterließ das Quartett von Sculthorpe.Da beeindruckte das Brodsky Quartett mit seiner herausragenden Cellistin, der besonders markant deklamierenden Jacqueline Thomas, mit nur so elektrisierenden Klangdifferenzierungen, mit einem sprechend scharf formulierten Satzcharakter nach dem anderen, mit einem leidenschaftlichen spielerischen Engagement, wie man es bei neuer Musik selten erlebt.

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