EDITORIAL : Gute Reise

Stephan-Andreas Casdorff

Ganz Berlin ist eine Insel. Eine der Inseln der Kunst inmitten eines Meers von Sand und Birken. Man stelle sich vor: Der Amerikaner mittleren Alters mit grauem Haar aus Columbus in Ohio kommt gereist über den großen Teich, voller Vorfreude auf die Hauptstadt in Deutschland, und kein Ressentiment begleitet ihn. Kein Wort wie German Nazis, German Angst, German Irgendwas, sondern – Kunst. Weil wir Deutsche doch ein Kulturvolk seien. Ist das nicht eine schöne weihnachtliche Überraschung?

Und worauf er sich freut: die Museumsinsel, die ihresgleichen sucht und nicht findet, die Neue Nationalgalerie, das Technikmuseum, das Deutsche Historische Museum Pei-Bau – es gibt so vieles zu sehen. Das Jüdische Museum darf auch nicht fehlen, dieser Bau des Amerikaners Libeskind, der ist wie keiner. Der ganz Inhalt ist, außen wie innen.

Unser Freund aus Columbus nickt. Ist es weit dorthin? Nein, gewiss nicht für den, der so weit gereist ist. Ach ja, by the way: Im Pei-Bau ist Karl May zu sehen: „Imaginäre Reisen“. Stephan-Andreas Casdorff

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