EDITORIAL : Spiegelbild der Geschichte

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Welch ein Weg! Vom jungen linkssozialistischen Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime zum ersten sozialdemokratischen Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Friedensnobelpreisträger und weltweit geachteten elder statesman. Willy Brandt, der am 18. Dezember 100 Jahre geworden wäre, ist eine der herausragenden Persönlichkeiten der europäischen Nachkriegsgeschichte. Ein Mann, der sein Land reformierte, der half, die Teilung Europas zu überwinden – und der zugleich polarisierte, vor allem in den frühen siebziger Jahren; Wer sich damals in der Provinz für Willy begeisterte, wurde als „Handlanger Moskaus“ beschimpft und später in West-Berlin an der Freien Universität am rechten Rand verortet. Brandt hat alle elektrisiert. Und Deutschland ein anderes, neues Gesicht gegeben. In diesem Jahr erinnern die Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung und die Norwegisch-Deutsche Willy-Brandt- Stiftung an diesen Staatsmann. Wir betrachten in der Beilage sein Verhältnis zur eigenen Partei, die Rolle Berlins und sein Eintreten für ein vereintes Europa. Der große norwegische Sozialdemokrat Thorvald Stoltenberg erinnert an Brandts unermüdlichen Einsatz für Konfliktlösungen; Torsten Körner zeigt einen Familienvater, der sich eher in der Geschichte zu Hause fühlte. Und doch bleibt Willy Brandt eine faszinierende Persönlichkeit, deren Qualitäten nicht wenige in diesen Zeiten vermissen. Rolf Brockschmidt

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