Kultur : Eduard Goldstücker: Trauerfeier für den Germanisten in Prag

In Prag haben am Montag bei einer Trauerfeier etwa 300 Menschen Abschied von Eduard Goldstücker genommen. Der bedeutende Germanist, Diplomat und Literaturwissenschaftler war am 23. Oktober im Alter von 87 Jahren gestorben. An der Gedenkveranstaltung nahmen unter anderem Außenminister Jan Kavan und Kulturminister Pavel Dostal teil. Die Redner erinnerten besonders an Goldstückers heraussragende Rolle im "Prager Frühling" und seine Verdienste um die deutschsprachige Literatur in Prag.

Nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen 1968 floh Goldstücker nach Großbritannien. Dorthin hatte der 1913 in der Ost-Slowakei Geborene wegen seiner jüdischen Herkunft bereits während des Zweiten Weltkriegs emigrieren müssen. Erst 1991 war er nach Prag zurückgekehrt. Ein Vertreter der Karls-Universität, deren Prorektor Goldstücker in den sechziger Jahren war, nannte den Verstorbenen einen "hervorragenden Gelehrten, mutigen Mann und guten Menschen".

Eduard Goldstücker war international bekannt geworden, als er 1963 im tschechischen Ort Liblice eine heute legendäre Franz-Kafka-Konferenz über den bis 1990 im Ostblock geächteten Autor initiierte. Goldstückers Arbeit mag mit dazu beigetragen haben, dass die Stadt Prag erstmals ein Kafka-Denkmal errichten lassen wird. Erst vor wenigen Tagen gab eine Jury bekannt, dass das drei Meter hohe Bronze-Denkmal des tschechischen Bildhauers Jaroslav Rona 2001 in der Altstadt zwischen der spanischen Synagoge und der Heilig-Geist-Kirche errichtet werden soll.

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