Kultur : Ein Knaller

„Elementarteilchen“ – die Pressekonferenz

Christina Tilmann

Manchmal ist Reden über Film klug. Manchmal ist der Film einfach klüger. Will man wirklich wissen, dass Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Oskar Roehler Michel Houellebecqs finstere Weltsicht nicht teilen? Dass sie, so Eichinger auf der völlig überfüllten Pressekonferenz, der Geschichte eine Moral geben wollten und deshalb Houellebecqs konsequent pessimistisches Ende etwas abgemildert haben? Vielleicht nicht. Okay, Oskar Roehler bekennt zwar später, er sei eher Pessimist: Gesteigerten Optimismus angesichts der gesellschaftlichen Situation finde er merkwürdig. Aber, so wieder Eichinger: „Gesellschaftskritik kann man nicht verfilmen. Man kann nur Melodramen verfilmen.“

Das bleibt, mit Verlaub, doch unter Houellebecqs analytischer Fallhöhe. Und dass im Abspann statt der Vision einer durch konsequentes Klonen verbesserten Welt nur die Psychoformel „Aus Testosteron entsteht Krieg“ steht, ist leider wirklich: Moral. Moral, die zudem an den Stärken des Films vorbeigeht. Denn nicht umsonst rühmt Martina Gedeck, die gemeinsam mit ihrem Filmpartner Moritz Bleibtreu den wärmsten, längsten Begrüßungsbeifall der Journalisten bekommt, mit blitzenden Augen den Film als „große Liebesgeschichte“, ja, als „Monument über die Liebe“. Zwei Menschen, die vom Leben und der Liebe nichts mehr erwarten, die alle sentimentalen Hoffnungen fahren gelassen haben, zwei große „Loser-Kämpfer“, die aber nicht bloßgestellt, sondern zu Helden werden, so sieht sie ihre Rollen, und freut sich an der „Freiheit außerhalb der gesellschaftlichen Norm“. Sie habe selten so wenig Berührungsängste gehabt wie hier.

Überhaupt scheint die Besetzung, ein seltenes Staraufgebot im deutschen Film, passgenau aufzugehen: Christian Ulmen hat seine natürliche Unsicherheit in die Rolle des Mathegenies Michael mit hineingenommen und sich zudem an einem Schulfreund orientiert, der ewig darüber grübeln konnte, wie und wie lange man Menschen die Hand geben sollte – und am Terminator: Seine Figur sei ähnlich vorprogrammiert. Moritz Bleibtreu schätzt es zwar nicht, „nackt übers Set zu trampeln“ und war ganz froh, dass sich manche Porno-Fantasie von Houellebecq als nicht verfilmbar erwies, bekennt jedoch: „Eigentlich bin ich ziemlich hemmungslos – manchmal.“ Und Nina Hoss freut sich an der egoistischen Frechheit ihrer Rolle, der ausgeflippten 68er-Mutter der Protagonisten: „Das ist ein kleiner Knaller.“

Ein Knaller, ist zu vermuten, dürfte „Elementarteilchen“ auch im internationalen Verkauf werden.

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