Kultur : Ein Mädchen namens Wanda

Die Ausstellung „Warschau in Berlin“

Daniel Völzke

„Sei keine Wanda, hab die Deutschen lieb!“, lautete die Botschaft eines in Polen ausgestrahlten Werbespots zum kürzlich abgeschlossenen Deutschen-Jahr. Die polnische Königstochter Wanda stürzte sich der Sage nach lieber in die Weichsel, als einen deutschen Freier zu ehelichen. Fraglich allerdings, wie der Werbespot Wirkung zeigen kann, wenn auf höchsten politischen Ebenen stets aufs Neue wandahaftes Gebaren an den Tag gelegt wird. So hat der frühere polnische Ministerpräsident und heutige Warschauer Bürgermeister Kazimierz Marcinkiewicz kurzfristig seinen für vergangenen Freitag geplanten Besuch in der deutschen Hauptstadt abgesagt. Eigentlich wollte er zum 15. Jubiläum der Städtepartnerschaft Warschau – Berlin die Ausstellung „Warschau in Berlin“ eröffnen, die 80 Arbeiten zeitgenössischer polnischer Kunst versammelt. Doch sein Besuch wollte nicht den Eindruck erwecken, der polnische Repräsentant würde die einen Tag zuvor eröffnete Vertriebenen-Ausstellung „Erzwungene Wege“ akzeptieren.

So sprach am Freitag zur „Warschau- in-Berlin“-Vernissage in der Wilmersdorfer Kommunalen Galerie der Vorsitzende des Warschauer Stadtrates, Witold Kolodziejski: Mit Hilfe der „Universalsprache Kunst“ seien viele Brücken zu bauen. Die Kulturmanagerin Ewa Strozczynska-Wille, die in dreivierteljähriger Arbeit die Ausstellung organisiert hat, sagte dem Tagesspiegel, dass das Fernbleiben des Warschauer Bürgermeisters die Stimmung nicht beeinflusse. Sie bedaure den Entschluss, fügt aber hinzu: „Kazimierz Marcinkiewicz hat aus parteiinternen Gründen abgesagt und somit als Vertreter seiner Partei gehandelt, nicht als Bürgermeister.“ Marcinkiewicz kandidiert für die nationalkonservative Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit im Herbst erneut für das Bürgermeisteramt.

Mehrere Generationen polnischer Maler, die meisten in Warschau ansässig, treffen in der Ausstellung aufeinander – der älteste Vertreter ist 90 Jahre alt. International gefragte Jungstars wie Wilhelm Sasnal oder Zbigniew Rogalski fehlen. Statt auf melancholischen Popchic setzt das Kuratorenteam auf expressionistische, konstruktivistische und surrealistische Malerei. Interessant die Auseinandersetzungen mit deutsch-polnischen Konflikten der Geschichte, wie sie etwa Pawel Lubowski mit der Installation „Die Schlacht bei Grunwald“ zeigt: Mit seinem Basketballspiel, bei dem er die Konterfeis beteiligter Krieger und Herrscher auf Bälle malt, dekonstruiert er den berühmten Historienmaler Jan Matejko. Der Nationalmaler verherrlichte mit seinen Schlachtengemälden den Sieg der Polen. Streit lässt sich auch anders als blutig austragen, scheint hingegen Lubowski mit seiner Anti-Wanda-Arbeit sagen zu wollen. Lasst uns spielen!

Im Ganzen gesehen jedoch bleibt die Ausstellung mit viel Seidenmalerei, Naturmotivik und oft müden abstrakten Kompositionen erschreckend muffig und belanglos. Der manchmal schwungvolle, manchmal zaghafte Aufbruch, der eigentlich in der jungen polnischen Kunst zu finden ist, entdeckt man in diesen Bildern selten. Die Universalsprache klingt kaum auf.

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