Kultur : Ein Mal ohne Ende

Die Papiere liegen jetzt im Bundeskanzleramt, und Helmut Kohl wird die Vorentscheidung treffen über Bau oder Nichtbau des umstrittenen Holocaust-Denkmals in Berlin.Richard Serra und Peter Eisenman, deren Entwurf eines Feldes aus 4000 Betonstelen der Kanzler favorisiert, haben die erbetene Überarbeitung ihres Vorschlags nach Bonn geschickt, und zunächst möchte sich Kohl im Gespräch mit den beiden Amerikanern die präzisierten Vorstellungen persönlich erläutern lassen.Ein Termin für das Treffen wird noch gesucht - und die für Ende März geplante Entscheidung über das Mahnmal rückt vorerst in nähere Ferne.Bis dahin, das zeigt die Diskussion der letzten Wochen, wird wohl der Chor der zweifelnden, der warnenden Stimmen noch anschwellen.Daß sich hierbei, nach jahrelanger Debatte, die Argumente naturgemäß wiederholen, macht sie jetzt nicht schwächer. Auch Eberhard Diepgen, der auf dieser Seite von vielerlei Seiten geäußerte Bedenken zusammenfaßt, hat sie, über Gesprächsäußerungen hinaus, erstmals in einem eigenen Text zu seiner Sache gemacht.Der Regierende Bürgermeister steht damit im Gegensatz zu seinem Kultursenator und vermutlich auch zu dem Bundeskanzler.Angesichts der Debatte und des Einspruchs vieler erster Köpfe des Landes wird eine einsame Entscheidung des Bundes - gegen die Stimme Berlins - immer unwahrscheinlicher.Die Bundesregierung vertritt neben dem von Lea Rosh initiierten Förderkreis und dem Land Berlin nur einen der drei "Auslober" des Denkmals; und die Situation heute ist nicht vergleichbar mit der des Kanzler-Vetos gegen einen ohnehin problematisierten Sieger-Entwurf des ersten Mahnmal-Wettbewerbs.Ohne einen aus geistiger wie moralischer Überzeugungskraft gewonnenen Konsens läßt sich dieses Projekt auch politisch kaum durchsetzen. P.v.B.

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