Kultur : Ein Reisebild zieht weiter London kauft Pariser

Gemälde von Menzel

Michael Zajonz

Es ist entschieden: Die Londoner National Gallery erwirbt Adolph von Menzels Gemälde „Nachmittag im Tuileriengarten“. Bis Anfang Juni zählte das unter dem Eindruck von Menzels Paris-Reise 1867 entstandene Bild noch zu den Glanzstücken der Dresdner Gemäldegalerie Neue Meister. Erworben hatten es die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 1935 von der Berliner Jüdin Estella Meyer, die 1942 von den Nazis deportiert worden ist. Im Juni folgten die Dresdner einer Forderung der Jewish Claims Conference und restituierten das Bild an Estella Meyers Erben. Die von der Erbengemeinschaft geforderten 3 Millionen Euro für den Rückkauf vermochte der Freistaat Sachsen nicht aufzubringen. So erwarb es schließlich der amerikanische Sammler Alfred Bader für 2,8 Millionen Euro.

Bader erklärte sich damals bereit, das Bild als Dauerleihgabe abwechselnd der Galerie Neue Meister und einem zweiten, noch zu bestimmenden Museum zu überlassen. Nun hat er es über den Münchner Kunsthändler Bruce Livie für 3,2 Millionen Pfund (rund 4,7 Millionen Euro) an die National Gallery verkauft. Ob das Londoner Museum, das lange nach einer bedeutenden Arbeit Menzels gesucht hatte, das Gemälde regelmäßig auch in Dresden präsentieren wird, ist offen. Ende November wird es anlässlich einer Menzel-Ausstellung auf jeden Fall noch einmal nach Dresden zurückkehren.

So schwer der Verlust für Dresden wiegt, so entspricht die Rückgabe des Bildes an die Erben doch internationalem Recht. Das Bundesamt zur Regelung offener Vermögensfragen sah es als erwiesen an, dass der Verkauf 1935 unter Zwang und zu einem zu niedrigen Preis erfolgt war. Gleichzeitig hatten die Dresdner Kunstsammlungen darauf verwiesen, dass der damals gezahlte Preis von 27000 Reichsmark ungewöhnlich hoch war. Im März 1935 hatte sich der Sohn Estella Meyers beim damaligen Galeriedirektor Hans Posse mit den Worten bedankt: „Wenn mir auch die Trennung von dem Bild schwer wurde, so freue ich mich doch, dass das Gemälde an eine so würdige Stelle gekommen ist, wie es auch ganz meinen Ideen entsprochen hat.“ Ein würdiger Ort ist zweifellos auch die National Gallery.

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