Kultur : Eine geldwerte Affäre

Alles, was gut und teuer ist: Die Galerie Deutsche Guggenheim Berlin feiert zehnten Geburtstag

Nicola Kuhn

Was wurde vor zehn Jahren über diese Liaison nicht gelästert: Kunst verbündet sich ganz ungeniert mit dem Kapital. Längst ist aus dem ungleichen Paar eine Institution geworden, eine bedeutende Kunstinstitution in der an Ausstellungshäusern wahrlich nicht armen Stadt Berlin. In der mit 500 Quadratmetern vergleichsweise kleinen Galerie (ein Fünftel der Ausstellungsfläche geht ab für Museumsshop und Café) haben seit der Eröffnung großartige Ausstellungen stattgefunden: angefangen mit Delaunay, Malewitsch und Klassikern der Moderne bis zu den Größen der Gegenwart wie Jeff Wall, James Rosenquist, Jeff Koons, Richard Artschwager, Gerhard Richter, Neo Rauch. Allein im vergangenen Jahr kamen 160 000 Besucher in dieses Mixtum aus Museum und Edelkunsthalle.

Deutsche Guggenheim Berlin, das ging und geht zunächst schwer über die Lippen, ein Zungenbrecher durch die eingedeutschten Anglizismen. Zugleich lässt sich daran ablesen, wer in dieser Partnerschaft das Sagen hat: die Kuratoren des Guggenheim Museums in New York, die Deutsche Bank gibt das Geld. Keine schlechte Aufgabenteilung, zumal in die heutigen Ausstellungsräume in dem nach dem Mauerfall restituierten Stammsitz des Frankfurter Bankhauses ursprünglich ein Edelrestaurant einziehen sollte. Glücklicherweise trafen sich dann Vorstandssprecher Hilmar Kopper und Guggenheim-Chef Thomas Krens in New York und verständigten sich auf die Synergieeffekte ihrer beiden Häuser, zum Wohl der Kunst, zur gegenseitigen Aufwertung der Marken – und zum Vorteil Berlins.

Diese beiden Machtmenschen stehen auch am Beginn der Ausstellung der Deutschen Guggenheim anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens: als Kunstmotive. Die Deutsche Bank hatte den österreichischen Künstler Erwin Wurm beauftragt, Krens fotografieren zu lassen; das Duo Clegg & Guttmann sollte die für Kunst und Kultur verantwortlichen Bänker mit der Kamera porträtieren. Eisig, wie Mafiabosse blicken den Besucher nun als erstes Kopper, Tessen von Heydebreck und Rolf Breuer an. Viel zu schnell kommt einem da der Gedanke in den Sinn: Kunst, die Aktie an der Wand.

Die Ausstellungen in der Deutschen Guggenheim hatten immer schon etwas von kulturellem Muskelspiel. Hier, Unter den Linden, ist zu sehen, was gut und teuer ist. So lässt sich auch verstehen, dass zum zehnten Geburstag die jüngsten Neuankäufe der Sammlung Deutsche Bank gezeigt werden, lauter exquisite Arbeiten hoch gefragter Künstler, von Isa Genzken, Louise Bourgeois, Kai Althoff, Sylvie Fleury, Sigmar Polke. Doch wollte man es nicht einfach beim Reigen schöner Werke belassen, die gewöhnlich Büros und Filialen des Geldinstituts zieren, sondern suchte unter dem Ausstellungstitel „Affinities“ passende Partner in den Beständen des Guggenheim Museums, der Eremitage in St. Petersburg, dem Stockholmer Moderna Museet und dem Musée de la Ville de Paris.

Eigentlich eine schöne Idee, zumal für jedes Jahr des Bestehens der Deutschen Guggenheim eine überraschende Liaison gestiftet wurde, vergleichbar damals dem „Joint Venture“ aus Kunst und Kapital. Und doch macht ein solches Konzept noch lange keine gelungene Schau, im Gegenteil. Ausgerechnet zum Jubiläum präsentiert sich das für seine penibel kuratierten Ausstellungen bekannte Haus wie ein Gemischtwarenladen. Anfangs ist man noch amüsiert über die verrückten Einfälle, die Kombination aus Louise Bourgeois und Dubuffet, die Begegnunung von Andreas Slominski und Francis Picabia oder die Zusammenstellung von William Copley und Henri Matisse, Isa Genzken und Schwitters. Doch wer die Begründung liest, kann nur staunen über die Oberflächlichkeit der Argumentation: Die einen verbindet die Liebe zum weiblichen Geschlecht, die anderen das Medium Collage, wieder andere das trickreiche Fallenstellen in Objekt und Bild. Zweifellos würde jeder mit jedem irgendeine Schnittmenge finden, schließlich sind alle Künstler. Sei’s drum, die Kunst bleibt weiterhin Beziehungsstifter.

Deutsche Guggenheim Berlin, Unter den Linden 13/15 bis 24. 6.; täglich 11 - 20 Uhr, Do bis 22 Uhr. Katalog 39 €.

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