Kultur : Eine lange Bank in Neukölln

Wer mit seinen Problemen auf die "lange Bank" geschoben wird, fühlt sich vernachlässigt. Im Neuköllner Körnerpark ist die sprichwörtliche Bank zur Skulptur geworden, die von der Künstlergruppe "Inges Idee" für ein Bezirksjubiläum entworfen wurde. Im sprachlichen Bild greift sie die Vorstellung Neuköllns auf, von der Stadt Berlin mit seinen Konflikten abgestürzter und entwurzelter Menschen im Stich gelassen worden zu sein. Als reale Bank aber können auf ihr alle Platz finden und den Blick in den Garten, eine der schönsten Perspektiven Neuköllns, genießen: So wird das Image der Schwäche in eines der kollektiven Selbstfindung umgemünzt. Am Eingang lassen Computer-Terminals mehr von Inges Ideen sehen. Seit 1993 beteiligt sich die Gruppe der vier Bildhauer Axel Lieber, Georg Zey, Hans Hemmert und Thomas Schmidt an Wettbewerben. Schon einmal haben sie Bänke aufgestellt, im Innenhof eines Bürohauses an der Magazinstraße. Dort betonen unterschiedliche Sitzhöhen den Bezug zum menschlichen Körper: Man wird sich der eigenen Größe und ihrer Bedeutung für die Begreifbarkeit der Welt bewußt. Durch die Manipulation von Größenverhältnissen und Perspektiven spielt Inges Idee mit der Wahrnehmung und verwandelt Gewohntes in Märchenhaftes. In Potsdam bewachen übergroße Elstern aus Bronze den Tresor der Landeszentralbank. Für eine Platzgestaltung der Fachhochschule Pforzheim haben sie ein Baskettballfeld vorgeschlagen, das sich wie ein nasses Handtuch über ein hügeliges Gelände legt und die Widersprüche der Nutzungswünsche thematisiert. Bis zum 18. Juli ist ihr Spiel mit den Paradoxien des Realen im Körnerpark zu sehen.

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