Kultur : Eine schwedische Umweltgruppe erörtert den Sinn des Lebens

Ulrich Karger

In Häggvik soll ein Haus abgerissen werden. Es steht einer geplanten Umgehungstraße im Weg. 23 Mitglieder der Umweltgruppe "Die Masken" besetzen das Haus, es gelingt ihnen, den Abriss zu verhindern. Fürs erste. Für den schwedischen Autor Ragnar Ohlsson bildet diese Szenerie nur den Ausgangspunkt weit folgenreicherer Fragen. So überlegt der 18-jährige Arvid während seiner ersten Nachtwache, wie es mit seinem Leben nun weitergehen soll. Soll er für diese Aktion vom Gymnasium abgehen? Im Gespräch mit den anderen erörtert er, ob sie alle überhaupt einem freien Willen folgen oder lediglich Rollen in einem vorherbestimmtem Schicksal spielen. "Der Sinn des Lebens" steht zur Debatte. Insbesondere Arvid wünscht sich genauere Antworten. Er nimmt die Einladung Haralds an, bei ihm in der Bibliothek vorbeizuschauen. Der Bibliothekar hat Philosophie studiert und kann Arvids Überlegungen die Kernsätze von Aristoteles, Berkeley, Kant und vielen anderen gegenüberstellen.

Dass diese Rahmenhandlung nur Mittel zum Zweck ist und selbst einen bekifften Hausbesetzer noch druckreif reden lässt, stört kaum. Sie behält soviel Bodenhaftung, dass der Kitzel philosophischer Erörterung einen gefangen hält. Neben dem Thema "Handlungsfreiheit" ergeben sich Fragen zu Egoismus, Tod, Identität, zivilem Ungehorsam, Staatsführung durch die "Besten" und aufgrund einer Schwangerschaft auch die nach dem Beginn menschlichen Lebens. Die Kombination aus konkreten Bezügen und einer eingängigen Sprachregelung entfacht in der Zielgruppe sicherlich Lust auf weitere "sokratische Gespräche" dieser Art. Im Anhang wird denn auch weiterführende Literatur vorgestellt. Als ansprechender philosophischer Appetithappen ist dieses Buch jugendlichen Heranwachsenden zu empfehlen, auch als anregende Lektüre im Klassenverband.Ragnar Ohlsson: Der Sinn des Lebens. Carl Hanser 1999. 101 S. . 19,80 DM. Ab 15 Jahren.

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