Einheitsdenkmal : Marke Eigenbau

Überraschend will nun die Deutsche Gesellschaft e.V. einen eigenen Vorschlag für das Freiheits- und Einheitsdenkmal auf der Berliner Schlossfreiheit präsentieren.

Nicola Kuhn

Zwei Wochen ist es her, da lud die Deutsche Gesellschaft e.V. im Rahmen des Geschichtsforums 1989/2009 zum Workshop „Mein Denkmal“ in die Humboldt- Universität ein. Die Teilnehmer sollten ihre „persönlichen Denkmalideen und Zitate einbringen, die sie mit friedlicher Revolution und den Begriffen ,Freiheit und Einheit’ assoziieren“. Offensichtlich muss die dreitägige „Modellwerkstatt“ recht fruchtbar gewesen sein, denn überraschend will nun die Deutsche Gesellschaft einen eigenen Vorschlag für das Freiheits- und Einheitsdenkmal auf der Berliner Schlossfreiheit präsentieren.

Das ist höchst pikant, denn der Verein gehörte zu den Initiatoren des einen Monat zuvor gescheiterten Wettbewerbs für eben jenes Monument. Über 500 Vorschläge waren eingegangen, aber keine zwanzig davon wurden für geeignet befunden; nach den Regularien zu wenig. Die Jury erklärte den Wettbewerb für gescheitert und schlug stattdessen vor, einen ausgewählten Kandidatenkreis neu einzuladen. Empörung über das rigorose Votum machte sich breit. Aber auch Erleichterung, dass hier nicht eine Entscheidung übers Knie gebrochen wurde, nur um zum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution im Oktober 2009 ein fragwürdiges Monument einzuweihen.

Wenn nun die Deutsche Gesellschaft und mit ihr einzelne Jurymitglieder wie der Bundestagsabgeordnete Günter Nooke oder der pensionierte Präsident des Bundesamtes für Raumordnung und Bauwesen, Florian Mausbach, einen eigenen Vorschlag aus dem Hut zaubern, hat dies einen merkwürdigen Beigeschmack. In der Einladung ist zwar von breiter öffentlicher Debatte, Anregung und Impulsen die Rede, aber letztlich wird ein selbst eingeleiteter Entscheidungsprozess ignoriert. Nach dem Motto:  Das machen wir am besten gleich selbst, wozu brauchen wir einen neuen Wettbewerb!

Und doch funktioniert dieser Zaubertrick nicht ganz. Wegen technischer Probleme bei der Fertigstellung von Entwurf und Modell wurde die gestrige Präsentation kurzfristig wieder abgesagt. Auch das Sich-Selbst-Überholen muss gekonnt sein. Nicola Kuhn

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben