Kultur : Eintritt frei ! (Kommentar)

Nikolaus Bernau

Wenn das Wetter so durchwachsen bleibt, hat der 23. Internationale Museumstag gute Chancen, ein Erfolg zu werden, sogar in Berlin. Zeit wird es, Deutschland ist eh zu spät dran. Seit 1977 wird dieser Tag am 18. Mai gefeiert, ausgerufen in Moskau vom Internationalen Museumsrat ICOMOS. Nur wir beschreiten einen Sonderweg, feiern am Sonntag, der dem 18. am nächsten ist. Man sieht auch am mäßigen Internetauftritt, dass noch Training notwendig ist (www.museumstag.de), wobei die kleinen Städte den großen und die Heimatmuseen den international berühmten deutlich voraus sind.

Eine Ausnahme macht auch Berlin, und zwar eine wenig positive. Das Stadtmuseum hat seine Häuser wie immer geöffnet. Und das bei einer Institution, die vom Senat so knapp gehalten wird, dass sie nicht werben kann, keine e-mail Adresse oder Homepage hat. Keine Spur von Sonderaktionen. Die Staatlichen Häuser bieten wenigstens ein üppiges Programm in den Ethnologischen Museen und im Museum europäischer Kulturen in Dahlem sowie in der Gemäldegalerie. Die Schlösser und Gärten hingegen machen das, was sie immer tun: Führungen. Besser steht das Deutsche Historische Museum mit Kinderfest und Konzert da, und das Heimatmuseum Wedding eröffnet eine ambitionierte Fotoausstellung. Während es in anderen Ländern freien Eintritt gibt, wird in Berlin beim ersten besuchten Museum Geld verlangt - die anderen 53 Häuser sind dann frei. Man ruht sich aus auf der Langen Pop-Nacht der Museen. Ein wenig zeigt das, für was sich ein Großteil der Berliner Museumsplaner interessiert: nicht so sehr für das lokale Publikum, sondern für die bloße Besucher-Zahl. In Berlin wird, etwa mit dem geplanten "Schnellrundgang" auf der Museumsinsel, viel getan für Touristen. Das alltägliche Publikum am Ort aber wird jenseits von Events selten umworben - immerhin rund fünf Millionen potenzielle Kunden. Und das bringt uns zu der alten Frage: Warum überhaupt Eintrittsgelder?

Die Museen in Deutschland sagen: Nur was etwas kostet, wird geschätzt. Doch behindert dies erwiesenermaßen den Besuch der Museen vor allem durch das lokale Publikum. Deswegen wird etwa in London kein Eintritt erhoben, Londoner lieben die National Gallery und das British Museum umso mehr. Garantiert wird dies durch Erbschaftsklauseln: Wenn ihr euch nicht gratis anbietet, seit ihr die Stiftungen los. Vielleicht sollte Herr Berggruen beim nächsten Dinner mit Berliner Kulturpolitikern den Verbleib seiner Sammlung vom freien Eintritt in die staatlichen Museen abhängig machen; andernfalls Abzug der Picassos und Klees. Innerhalb kürzester Zeit wären mit Sicherheit alle Bedenken verschwunden. Was bei derEintrittsgelderverwaltung gespart wird kann dann genutzt werden, um Erna Müller aus Neukölln für Raffael zu beigeistern oder brandenburger Kids in den Dahlemer Museen von Springerstiefeln zu heilen.

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