Kultur : Elektro: Djingelbälls

Eric Mandel

Der Robot Walk ist ein selten gewordener Modetanz: ein langsames Herumstaksen im Raum, Hüfte leicht nach vorne geknickt, die Arme angehoben, ungefähr zwischen Boris Karloff und einem Spielzeugroboter - Kurz: ideal, um sich zum Song "Robot War" von Audio Active zu bewegen. Vor sechs Jahren machten die Japaner als Exoten im ohnehin schon bunten On-U Sound-Kollektiv um den Dubreggae-Produzenten Adrian Sherwood auf sich aufmerksam. Auf diesem Umweg kam schließlich auch der Erfolg in Japan selbst, und seit dem vergangenen Jahr lenkt Sony die Geschicke des Quintettes. In Japan bedeutet das möglicherweise wolkenkratzerhohe Plakate und ein eigenes Spiel für die Playstation - in Europa bleiben die Freunde des psychoaktiven Spacedub im familiären Rahmen: Das renovierte Maria am Ostbahnhof ist gut gefüllt, dennoch bleibt ausreichend Raum für den Robot Walk oder - was überwiegt - einen Freistil aus verlangsamten Heavymetal- und Hip-Hop-Posen zu schleppenden Grooves. Die Band agiert autistisch wie gewohnt, ist dabei aber - dank neuer Frisuren - ein kurzweiliger Anblick, halb versteckt hinter kabelreichen, verheißungsvoll schimmernden Elektrobauteilen. Die größten Hits - "Paint Your Face Red" oder "Weed Specialist" - werden umgehend verbraten, es folgt: Dicke pulsierende Trance-Gewebe von Bass und Drums, durchbohrt von Echoeffekten, Gitarrenquerschlägen und Reggae-Breaks. Zum Abschluss noch einmal - auf Insistieren der Menge - die vorweihnachtliche Konsumverächterhymne: "Happy Shopper". Dann trösten ein mitgebrachter DJ und die Flittchenbar über das Wiedereinsetzen der Schwerkraft hinweg.

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