Kultur : Elektronik: Bahnhof - Architektur trifft Musik

Volker Lüke

Thema der heutigen Vorlesung: Architektur und Musik. Nach der Ambient-Elektro-Frickel-Szene hat sich nun auch das New Yorker Label "Caipirinha" mit seiner Architettura-Serie dieser Verbindung angenommen. Am dritten Tag des Klangkrieg-Festivals im Podewil ist diese Serie, für die Gebäude oder Stadtkomplexe als Inspiration dienen, mit zwei Beiträgen vertreten. Den Anfang macht Taylor Deupree mit seiner eindringlichen Klangbetrachtung eines Bahnhofs: skulpturaler Knisterkram, mühsames Keuchen wie aus einer Herz-Lungen-Maschine, knirschige Industrie-Einsprengsel, alles sehr schön ausdifferenziert, aber auch zum genauen Zuhören zwingend. Viele warten auf den Auftritt von Panacea, dessen Vertonung von "Brasilia" eine sperrige Musik zum Vortrag bringt: Darkstep-Dekonstruktion auf solider Paranoia-Basis, zusammengehalten durch ein metallisches Hämmern sowie einer Frauenstimme, die dem Zuhörer ein paar Fakten über die brasilianische Hauptstadt verrät, dazu Kurzwellengeschrubbel und andere bedrohliche Störgeräusche, als ob hinter jeder Ecke der Metropole der blanke Terror lauern würde. Diesem wird man endgültig beim anschließenden Auftritt von Kid 606 ausgesetzt, der mitunter so klingt, als hätte man die urbane Hektik einer Großstadtmetropole mit sich selbst multipliziert. Durch die Lärmschleife dringen Fetzen von HipHop-Samples, Rap-Passagen, rappeliges Breakbeat-Geknatter, erbarmungslos durch die Echokammer geschickt. Der Herr des Laptop-Terrors kennt kein Geräusch, das sich nicht zerhacken ließe. Und niemand wundert sich dabei über die Geräusche einstürzender Gebäude. Schließlich wankten schon immer die Mauern der Städte, wenn der Klang der Musik sich ändert.

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