Kultur : Emotionen stürmen den Kammermusiksaal

Isabel Herzfeld

Seit zweieinhalb Jahren spielt das Ensemble der Spectrum Concerts, die der Cellist Frank Dodge vor zwölf Jahren ins Leben rief und gegen alle Widrigkeiten erhielt, in neuer Besetzung - eine kurze Zeit für so unterschiedliche Temperamente, wie sein Neujahrsauftritt im Kammermusiksaal der Philharmonie zunächst verdeutlichte. Passen eigentlich Männer und Frauen nicht zusammen oder nur Klavier und Streicher? Im Klaviertrio c-moll op. 1 Nr. 3, mit dem der junge Beethoven seine adligen Gönner verschreckte, drängte Daniel Blumenthal mit kantig vorpreschendem Klavierzugriff nicht nur Janine Jansens sensibles Violinspiel, sondern auch die Linien des Cellisten an den Rand des Geschehens. Dabei wären sämtliche Protagonisten durchaus auch zum "Rollentausch" fähig gewesen. Doch das kam erst in Leon Janáceks später Sonate für Violine und Klavier voll zur Geltung. Hier entfaltete die Geigerin berührende und berückende Intensität, feinste Nuancen in ätherisch verhauchenden Flageoletts, schroffe Angriffslust in fast geräuschhaften Einwürfen, große Klanggesten in den Schmerzensausbrüchen weit geschwungender Melodik. Stets ist die Janaceks eigene Sprachkraft präsent. Auch im hochromantisch stürmenden und schwärmenden Klavierquartett g-moll op. 25 von Johannes Brahms erweist Jansen sich als Hüterin und Antreiberin der Emotion, die doch in organischen, lückenlos die Instrumente verzahnenden, immer ausbalancierten Steigerungen klug aus der Struktur entwickelt wird. Der durch die Matthew Hunters intensiv singende Bratsche komplettierte Streicherklang ist nun adäquates Gegengewicht zum souverän-kompaktem Klavier, ein spielerisches Miteinander, das im "Rondo alla Zingarese" virtuose Funken schlägt.

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