Kultur : Ernst und ein wenig feierlich

MICHAEL NUNGESSER

Ausstellung von Manfred Paul in der Galerie argus fotokunstVON MICHAEL NUNGESSERSehr nahe rücken die Gegenstände auf den Schwarzweiß-Fotografien von Manfred Paul: Alltagsdinge, Früchte, Blumen, menschliche Körper, Gesichter.Wie neu sehen wir sie, groß, in anderen Dimensionen, herausgehoben aus ihrem Umfeld.Fast greifbar schälen sie sich aus dem meist dunklen Hintergrund der vom Künstler getonten und vergrößerten Gelatinesilberabzüge.Ein Hintergrund, der weniger Tiefe suggeriert, als vielmehr rahmend die in vielen Helldunkel-Schattierungen herausmodellierten Sujets ins Bildgeviert einspannt.Manfred Paul, 1942 im Harz geboren, war Theaterfotograf in Halle, arbeitete für die Industrie, lehrte Standbildfotografie und ist derzeit Professor an der FHTW in Berlin.Er nimmt sich gerne bestimmten Themen an: Akt, (Stadt-)Landschaft, Tanz, Berliner Mauer.Nicht vorgefaßte Ideen oder der sezierende Blick des Dokumentaristen leiten ihn, er "entwickelt seine Bilder aus der intuitiven Wahrnehmung der gegenwärtigen Verhältnisse" (Enno Kaufhold).Nach dem Gebrauch von Unschärfen, Verwischungen und ungewöhnlichen Aufnahmewinkeln dominiert in den nun ausgestellten Fotos aus den letzten drei Jahren der einzelne, durch die Beleuchtung gleichsam skulptural ins Bild gesetzte Gegenstand.In Serien nähert sich der Fotograf seinem Gegenüber und entdeckt ungewöhnliche Ansichten und Ausdrucksqualitäten.In den Porträts (950 DM und 1200 DM) taucht allein das Konterfei der Person auf, ernst und ein wenig feierlich.In den Akten (bis 1500 DM) sehen wir einen menschlichen Rumpf, Rücken, Brust, Hände oder eine Faust; manchmal ergeben sich aus den weich geschwungenen Linien und Höhlungen fast abstrakte Kompositionen.Haltung, Ausschnitt und Beleuchtung der jeweiligen Körperteile verleihen ihnen eine eigentümliche Präsenz und Individualität: in sich ruhende Sinnlichkeit jenseits von allem Begehren.Einfache Dinge des Lebens bilden die verschiedenen Stilleben (950 DM bis 1450 DM), vom Licht bisweilen mit dramatischen Schattenspielen belegt.Eine aufgeschnittene Birne äugt uns breitflächig entgegen, ein Avocado schwebt planetenhaft im Tellerrund, breitgefächerte Tulpenbüschel, ob frisch oder verwelkt, wirken wie lodernde Flammen, ein Gladiolenstrauß entfaltet auch noch im absterbenden Licht eines häuslichen Interieurs seine blühende Pracht, und das im Dunkeln lagernde Boot am Strand gleicht einem Nachen am Hades. Galerie argus fotokunst, Marienstraße 9, bis 31.Mai; Mittwoch bis Sonnabend 15-18 Uhr, Sonntag 14-17 Uhr.

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