Kultur : Europa 2004: Genua und Lille sind die Kulturhauptstädte

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„Genua ist unbeschreiblich schön, prächtig, charakteristisch“, lautete Richard Wagners Urteil über die ligurische Hafenstadt. Dennoch kommen die meisten Touristen heute nur nach Genua, um eine Fähre in Richtung Sizilien, Sardinien oder Korsika zu besteigen. Das soll sich ändern: Genua fungiert, gemeinsam mit der nordfranzösischen Stadt Lille, als „Kulturhauptstadt Europas 2004“.

Das Kulturjahr in Genua wird mit einer Eröffnungs und Neujahrsparty am Hafen eingeläutet. Die Stadt hat insgesamt rund 200 Millionen Euro in die Vorbereitungen investiert, weitere 30 Millionen Euro wurden für das Veranstaltungsprogramm bereitgestellt. Fast 120 Kulturevents und 70 Tagungen stehen auf dem Programm, darunter Musik von Klassik bis Pop, Theater, Tanz und Film. Auch Sasha Waltz ist aus Berlin mit „Zweiland“ zu Gast. Höhepunkt des Jahres ist eine große Ausstellung im Palazzo Ducale unter dem Titel „Das Zeitalter von Rubens: Genueser Herrenhäuser, Mäzene und Sammler“, mit Werken von Rubens, van Dyck, van Cleve, Tintoretto und Caravaggio (20. März bis 11. Juli).

Auch Lille hofft, mit dem Titel Kulturhauptstadt sein Image aufzufrischen. „Lille will nicht mehr die graue Arbeiter- und Industriestadt sein. Die Stadt hat eine reiche Vergangenheit und kann auf eine blühende flämische Renaissance und starke kulturelle Einflüsse zurückblicken“, erklärte Bürgermeisterin Martine Aubry anlässlich der offiziellen Präsentation am 6. Dezember. Diese Eröffnung war ein voller Erfolg: Statt wie erwartet 200000 Besucher kamen eine Million zu einer riesigen Musikparade mit Feuerwerk.

Die Metropole des Nordens, die zusammen mit ihren Vororten 1,1 Millionen Einwohner zählt, geizt nicht mit großen Ereignissen und Namen. So stehen auf dem Programm für 2004 nicht nur Peter Brook, Zingaro und William Forsythe, sondern ebenfalls Rubens: Eine große Retrospektive mit mehr als 170 Werken des flämischen Meisters wird am 6. März eröffnet. Weitere Ausstellungen zeigen Watteau, Ingres und Anish Kapoor. Allein die Kosten für die Veranstaltungen belaufen sich auf 73 Millionen Euro. Die Altstadt Lilles mit ihren schmalen und reich verzierten Bürgerhausfassaden aus dem 17. Jahrhundert wurde völlig renoviert. Und die letzten unschönen Narben der Industrialisierung sind mit der Umwandlung zwölf ehemaliger Fabriken und Industriehallen in Kulturzentren, oder so genannte „Maisons Folies“ verschwunden. Tsp

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