Kultur : Eurostyle

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Zentralasien und Mexiko bilden in diesem Jahr die Programmschwerpunkte des Berliner Hauses der Kulturen der Welt (HKW). Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Konferenzen und eine Filmreihe (Titel: "Abseits der Seidenstraße") präsentierten von März bis Mai Traditionen und Reflexe der Umbrüche in den Gesellschaften Usbekistans, Kirgisiens, Tadschikistans, Turkmenistans und Kasachstans. Erstmalig wird die durch politische Aktualität unter Medienbeachtung geratene Region umfassend in Deutschland vorgestellt. Von September bis November bietet das Programm "MEXARTES-BERLIN.de" auf dem Hintergrund gravierender politischer Wandlungen in dem mittelamerikanischen Staat der aktuellen mexikanischen Kultur ein Forum. Das Festival of Sacred Music, die erfolgreiche Neuauflage des Festivals der traditionellen Musik, ist wieder für Dezember geplant; das neue Sommerfestival "Popdeurope" soll die "musikalische Vielfalt der Popkulturen in Europa" sichtbar machen. Das Workshop-Festival "In Transit" (Mai / Juni) ist als Experimentierfeld für "neue Perspektiven der Künste" konzipiert. Zum Thema "Islam" werden ganzjährig Tagungen ausgerichtet und Filme gezeigt.

Auch künftig werde das HKW "keine Schnellschussprojekte" im Vierwochenrahmen produzieren, sagte Generaldirektor Hans-Georg Knopp bei der Jahresplan-Vorstellung. Unterm gemeinsamen Fusionsdach mit den Berliner Festspielen bleibe die Programmautonomie gewahrt. Die Etataufstockung durch den Bund als neuer Träger gestatte eine fast ganzjährige Bespielung der ehemaligen Kongresshalle, die "an diesem Ort, der sonst nur von Regierungsbauten umgeben ist, als weltoffenes Forum des Dialogs notwendig" sei. Langfristige Planung sei nun möglich: für 2004 das brasilianisch-karibische "Black Atlantic"-Projekt im Gropius-Bau und das von dem Chinesen Wohun kuratierte Vorhaben "Schönheit"; für 2003 die Schwerpunkte "Nahost" und "Indien".

Ablehnend äußerte sich Knopp zu der Idee, ein rekonstruiertes Stadtschloss als interkulturelles Forum zu nutzen: Das Schloss sei ein imperiales Symbol des 19. Jahrhunderts, hier habe Wilhelm II. seine gegen China gerichtete Hunnen-Rede gehalten. Susanne Sporrer, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, berichtete von Versuchen des HKW, den eigenen Marketingauftritt samt Design mit Hilfe einer Agentur zu renovieren: Das von Neville Brody entworfene, bewährte quadratische Namenslogo behalte man bei, für andere Texte nutze man künftig die Typo "Eurostyle" (eine etwas fadenscheinige Schrift). Wie in Vorjahren kündigte Geschäftsführer Jürgen Maier an, das trostlose HKW-Restaurant am Spreeufer - eigentlich eine Gastrogoldgrube in Traumlage - wolle man endlich in Schuss bringen. Dafür wird ein goldener Pächter dringend gesucht.

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