Kultur : Expo 2000: Der letzte Akt

Heute Abend wird die Weltausstellung mit einem voraussichtlichen Defizit von mindestens 2,4 Milliarden Mark ihre Pforten schließen. Oder sind es gar drei Millionen? Das hat zumindest die FDP-Bundestagsabgeordnete Gudrun Kopp berechnet. Aus internen Berichten der Expo-Geschäftsführung gehe hervor, dass nicht alle Ausgaben in der Bilanz der Weltausstellungsgesellschaft verbucht worden seien, sagte sie am Montag. Die Expo dementierte die Angaben umgehend. Ein Papier oder Unterlagen, aus denen ein höheres Defizit hervorgehe, gebe es bei der Ausstellungsgesellschaft nicht.

Man sieht: Mit dem 31. Oktober wird das Kapitel Expo noch lange nicht zu Ende sein. Was unter dem Motto "Mensch-Natur-Technik" das Bild eines gastfreundlichen und zukunftsorientierten Deutschlands in die Welt transportieren sollte, wird in einem zähen Schlussakt über Jahre abgewickelt. Neben der Frage, wer das Besucherfiasko mit rund 22 Millionen weniger Gästen als geplant zu verantworten hat, steht eine Heerschar entäuschter Expo-Partner aus der Wirtschaft in den Startlöchern, die sich von der Weltausstellung betrogen fühlen. Seit Monaten bereiten sich Juristen auf beiden Seiten des Expo-Zauns auf einen lang anhaltenden Schlagabtausch vor den Gerichten vor. Die Expo selbst rechne mit mehr als 100 Verfahren, heißt es dort unter der Hand. Subunternehmer fühlen sich getäuscht, beklagen verschleppte oder nicht erfolgte Bezahlung. Nach dem heutigen Tage wird auch der Bundesrechnungshof ein genaues Auge auf die Expo-Bilanzen werfen. Angesichts der brisanten Aufgabe, die Expo abzuwickeln, haben sich ihre Macher mit Jobst Wellensiek einen Unternehmensliquidator ins Boot geholt, der schon die Problemfälle Bremer Vulkan und Maxhütte unter seinen Fittichen hatte.

Seit Wochen streiten sich Bund und Land Niedersachsen, wer wie viel von der Milliardenbürde tragen soll. "Halbe-halbe" heißt die offizielle Formel noch; Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) sah sich genötigt, Berichte zurückzuweisen, der Bund werde die Expo-Schulden zu zwei Dritteln übernehmen. Was sonst noch an Misstönen nach dem Expo-Ende zu erwarten ist, zeichnete sich in den vergangenen Tagen ab. Der Unternehmensberater Roland Berger streitet sich mit der Expo über angeblich falsche Prognosen. Unter den Firmen, die an der Expo mitgearbeitet haben, prescht das Münchner Unternehmen Baumm Medien und Design vor. Es habe "ständig Probleme mit Zahlungen gegeben", moniert Unternehmenschefin Beate Baumm. Zahlreiche Subunternehmer stünden "kurz vor oder in einem Rechtsstreit mit der Expo". Nach Torschluss dürfte sich auch die EM.TV-Tochter Expo-Souvenirs zu Wort melden. Die Firma fuhr mit ihren Souvenirshops wegen mangelnder Besucherzahlen Millionenverluste ein.

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