Kultur : Fang mir ein Fax

Jérome Deschamps in der Berliner Arena

Sandra Luzina

Kreuzt man die komischen Eskapaden des große Dünnen und kleinen Dicken, dann, voilá, hat man „Les Etourdis“ (die Leichtsinnigen). Jérôme Deschamps ist der Neffe von Jacques Tati, nähert sich aber mehr und mehr dem entfesselten Louis de Funès an. „Mon Oncle“ gegen „Brust oder Keule“: Beim Gastspiel der Truppe von Deschamps und Macha Makeieff in der Arena Treptow (noch einmal heute, 20.30 Uhr) konnte man beobachten, wie zwei Humortraditionen verschmelzen. Viele Franzosen hatten sich eingefunden, um sich am rasenden Niedergang der französischen Leitkultur zu erfreuen. Denn hier ist die Prolette auf dem Vormarsch: in schlecht sitzenden Klamotten, nur noch Kauderwelsch hervorpressend, mit null Manieren und – Samba tanzend!

Der Tatismus zeigt, wie man stoisch in Missgeschick schliddert, hier aber wird dem Affen Zucker gegeben: So verausgabt sich der Boss (Patrice Thibaud) der kleinen Bürogemeinschaft in mimisch-gestischem Extremsport, Fax-Fangen, Zeit-Stempeln, Schwingtüren-Flitzen und Pump-Sitzen inklusive. Elastisch und unkapputtbar, greift er auf Standards zurück, wenn auch bravourös. Bei der Nummer mit dem Goldfisch zitiert er sogar den britischen (!) Film „Ein Fisch namens Wanda“. Das ist herrlich albern, aber der Hypermotoriker nur auszuhalten, weil ihm Deschamps Minimalkomiker an die Seite gestellt sind. Derangierte Herren auf winzigen Stühlchen mit Hütchen und Miniaturgitarre – die schon mal in Pappkartons verschwinden oder sich plötzlich ohne Unterleib wiederfinden.

Die poetischen oder absurden Momente sind rar an diesem Abend. Aber die Truppe ist formidable. Sie lehrt uns: Das Leben ist ein bescheuertes Chanson.

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