Kultur : Federleicht

ROMAN RHODE

Airto Moreira und Flora Purim mit ihrer neuen Band im QuasimodoVON ROMAN RHODEZuletzt standen sie in Berlin vor zwei Jahren auf der Bühne.Damals scheuchte Moreira mit der Phantastik seiner Perkussion ganze Vogelschwärme in die Klangwolken des Keyboards.Und Flora Purim legte ihre sanfte Stimme über die bebende Erde eines paradiesischen Urwalds.Gitarre und Baß changierten ebenso brüsk wie gekonnt zwischen Bossa Nova und Hard Rock.Dieses Projekt nannte sich Fourth World: es inszenierte einen musikalischen Trip durch das sonnige Kalifornien, Salvador da Bahia, Afrika und die Wohnlandschaft Frank Zappas.Jetzt aber fällt der Blick plötzlich weit zurück, und das Motto der diesjährigen Tour lautet: "Light As a Feather".Damit nimmt das brasilianische Ehepaar seine frühe Hochzeit mit dem nordamerikanischen Jazz unter die Lupe.Denn "Light As a Feather" hieß jener Hit, den Flora Purim 1971 für die Fusion-Band "Return to Forever" geschrieben und gesungen hatte.Schade nur, daß die federleichte Stimme vom begleitenden Sopransax fast durchgängig überdeckt wird.Doch der Rückblick auf die Siebziger ist interessant: Mit ihrer neuen Formation, in der das Saxophon die Gitarre ersetzt hat, verschreiben sich Moreira und Purim stärker als bisher dem Mainstream und verlassen ihren Jargon der Eigentlichkeit.Ähnlich wie in "Return to Forever", wo Moreira ausschließlich am Schlagzeug gesessen hatte, führt der Perkussionist auch jetzt wieder seine Qualitäten als Drummer vor.Verwandelt die Metallränder mit seinen Trommelstöcken in frenetisch klappernde Kastagnetten und gibt zu den Flamenco-Akkorden des Keyboards einen Trommelwirbel zum besten, der schlagartig die Prozessionen der Sevillaner Karwoche vor Augen führt.Natürlich fehlt auch der Solo-Auftritt Moreiras nicht.Da entfacht der Klangvirtuose auf dem schlichten Tamburin mit Schellen einen donnernden Karnevals-Umzug.Hier hat sich Airto Moreira nicht verändert, liefert, als eine Art afrobrasilianischer Gott des Feuers und Donners, wilde Possen in Perkussion.Und Flora Purim, die ewige Muse des Meisters, ergießt ihren behutsamen Gesang über das Geschehen wie Iemanjá, die Göttin des Meeres.

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