Kultur : Feiner Nebel

Romantisch: Gillian Armstrongs „Die Liebe der Charlotte Gray“

Daniela Sannwald

Lavendelfelder bis zum Horizont: Man meint fast ihren Duft zu spüren. Damit hebt sich der Vorhang – und so altmodisch-elegant und freundlich wie Lavendelduft ist Gillian Armstrongs ganzer Film.

Auch der Spionagethriller ist inzwischen ein unmodernes Genre. Wir sind im Jahr 1943. Die britische Krankenschwester Charlotte Gray wird vom Geheimdienst angeworben, weil sie Französisch kann: Sie soll die Résistance im südfranzösischen Lezignac unterstützen – und sie hofft, in dem Dorf ihren Geliebten und RAF-Piloten Peter wiederzufinden. Sie heißt nun Dominique, und der Anführer einer Widerstandsgruppe bringt sie auf dem Gut seines Vaters unter.

Doch bald verliert Charlotte ihre Aufgabe aus den Augen und lässt sich von ihren Gefühlen leiten. Viel wichtiger als der Plot ist die geheimnisvolle Stimmung, die zu dieser Art von Spionagefilmen gehört. Das Großbritannien der australischen Regisseurin Gillian Armstrong ist romantisch, mit schummrigen Schaufensterbeleuchtungen, die auf regennassem Pflaster glänzen; hier werden Eisenbahn-Bekanntschaften à la Agatha Christie geschlossen, und Piloten der Royal Air Force trinken im Angesicht des Todes Martinis. Südfrankreich wirkt anderweitig verwunschen: die Einwohner ein wenig ungezähmter als die Engländer, ein wenig unordentlicher auch das Ambiente.

Tolle Kostüme, tolle Ausstattung, tolle Darsteller: In dieser Reihenfolge stechen die Qualitäten dieses Films hervor. Mitunter zieht sich ein feiner Nebelschleier durch die Bilder – wie über Charlottes Erinnerungen: Der ganze Film ist eine lange Rückblende aus ihrer Sicht. Und die Erinnerung schönt ja gern, vor allem in der Welt der Liebe.

Cate Blanchett ist Charlotte Gray: fantastisch aussehend und ebenso fantastisch gekleidet, ob als blonde Britin oder brünette Französin. Michael Gambon (zuletzt ein alter Wüterich in „Gosford Park") gibt den Vater des Widerstandskämpfers: mutig, sensibel und am Ende sehr rührend.

Und wenn die große Welt wieder in Ordnung ist, bekommen auch alle im Kleinen, was sie verdienen – vor allem die zauberhafte Charlotte Gray.

Ab Donnerstag im Cinemaxx Potsdamer Platz, Cubix Alexanderplatz, Filmpalast, Kulturbrauerei und Cinestar Sony Center (OV)

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