Kultur : Fels in der Flut

46 Meisterwerke werden für die Dresdner Museen versteigert

Christina Tilmann

Gerhard Richter war der Erste, der ein Werk stiftete: Als Ende August im Bundeskanzleramt die Idee aufkam, zur Unterstützung der hochwassergeschädigten Dresdner Museen eine Kunstauktion zu veranstalten, war der Maler sofort dabei: „Wenn Michael Schumacher eine Million Euro spendet, werde ich ein großes Bild geben“, war seine Reaktion. Als gebürtiger Dresdner habe er wesentliche Inspirationen in den dortigen Museen bekommen, so die Begründung.

„Fels“, das 3 mal 2,5 Meter große Richter-Bild von 1989, ist das Hauptwerk der heute in der Neuen Nationalgalerie stattfindenden Versteigerung: eine Farbkaskade in Grün, Rot und Blau, eine grobe Oberflächenstruktur, die zerklüftet wirkt wie eben ein Fels. Auf 400000 bis 600000 Euro ist die Taxe angesetzt, mit einer Million Dollar rechnet Helge Achenbach, Initiator der Versteigerung: Es habe schon Anfragen aus Amerika gegeben – und lange Gesichter beim Kunstmuseum Winterthur sowie der Monet-Ausstellung der Fondation Beyeler in Riehen, wo das Werk bislang als Leihgabe zu sehen war.

Richter, der Altmeister, war der erste Stifter, Andreas Gursky, der Jungstar, der zweite. Seine frühe Großfotografie der Dresdner Hofkirche von 1988, geschätzt auf 50000 bis 70000 Euro, erregte schon auf dem diesjährigen Art-Forum Aufsehen. Überhaupt ist die so hochgelobte Becher-Schule zahlreich vertreten: Thomas Struth stiftete eines seiner brasilianischen Urwaldbilder, das im Sommer schon in einer Ausstellung in Dresden zu sehen war (Taxwert 30000 bis 50000 Euro), Thomas Ruff ein psychedelisches Farbbild (Taxe 15000 bis 20000 Euro), und Candida Höfer liefert in einer Hommage an den Versteigerungsort eines ihrer Nationalgalerie-Fotos von 2001 ein (Taxe 10000 bis 16000 Euro). Kein Wunder, dass Berlins Museumschef Peter-Klaus Schuster sich wünscht, dass einige Bilder in Berlin bleiben.

Die Versteigerung, durchgeführt vom Auktionshaus Sotheby’s und bewusst parallel zur Herbstauktion bei Grisebach angesetzt, verspricht ein Großereignis zu werden: Die Künstlerliste aus 45 Namen liest sich wie ein Who is who der zeitgenössischen Kunst: von Balkenhol bis Baselitz, Griebe bis Graubner, Herold bis Holzer und Horn, dazu Immendorf, Lüpertz, Sieverding, Trockel, Uecker, Meese oder der jüngst verstorbene Michel Majerus. Die Aussicht, hier ohne Mehrwertsteuer, Aufgeld oder Provisionen zuschlagen zu können, dürfte so manchen Kunstfreund locken. Mit einem siebenstelligen Betrag bis zu zwei Millionen rechnet Achenbach. Das Geld möchte Dresdens Museumschef Martin Roth für den Bau von neuen, hochwassersicheren Depots verwenden. Die alten Kellerräume direkt an der Elbe, die im August in einer dramatischen Aktion leer geräumt werden mussten, sollen – entgegen der Pläne der Dresdner Politiker – durch andere ersetzt werden. Dafür wird es noch viel Solidarität brauchen.

Künstler helfen Alten und Neuen Meistern. Auktion zugunsten der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, heute 18 Uhr, Neue Nationalgalerie Berlin. Katalog 5 Euro.

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