Fernsehen : Hansjörg Felmy gestorben

20 Folgen lang war Hansjörg Felmy der mürrische Kommissar Haverkamp, danach ging er zum Theater zurück. Bereits am Freitag starb Felmy im Alter von 76 Jahren.

Felmy
In Niederbayern verstorben: Hansjörg Felmy, in den 70er Jahren Tatort-Kommissar Haferkamp. -Foto: dpa

Wenige „Tatort“-Kommissare sind es, die im Gedächtnis bleiben. Haferkamp aus Essen ist so einer, und er ist es, weil Hansjörg Felmy ihn gespielt hat. 20 Folgen lang, von 1973 an. Sein Kommissar war ein ernster, auch mürrischer Polizist, kein verbissener Jäger von Mördern und anderen Kriminellen, sondern ein Mensch mit dem Beruf des Aufklärers. Und einer, der die privaten Probleme mit seiner Ex-Frau, gespielt von Karin Eickelbaum, in einer Weise ertrug und austrug, dass die Zuschauer die Probleme mit ihm und ihr teilen wollten. Als die Autoren den Haferkamp negativer zeichnen wollten, stieg Hansjörg Felmy beim „Tatort“ aus. Er ging, oft sein eigener Regisseur, ans Theater zurück: Steinbeck und Ibsen, auch Boulevard.

Weniger freiwillig hatte er sich vom Kino verabschieden müssen, als der bundesdeutsche Film Mitte der 60er Jahre in eine verheerende Krise kam und selbst ein Star wie Hansjörg Felmy ans Ende seiner Schauspielkarriere zu geraten schien. Denn das war er, ein Star im Kino der 50er Jahre. Zwei Titel stehen dafür: „Der Stern von Afrika“ (1956) und Kurt Hoffmanns Satire „Wir Wunderkinder“ (1958). Beim „Stern“ war er der saubere, offene, nicht eben aufs Heldentum geeichte Wehrmachtsleutnant. Felmy, der seine Rollen sorgfältig auszuwählen pflegte, war in den „Wunderkindern“ dann schon ein anderer: zwar noch der „positive Deutsche“, der nur aufbegehrt, wenn der Ungeist der Zeit zu brandmarken ist, und zugleich einer, in dem sich die Skeptiker in der jungen Generation jener späten 50er Jahre wiedererkennen konnten. Da war der Haferkamp in seinen Konturen bereits sichtbar. Und was das für ein fein differenzierender Schauspieler war, konnte erkennen, wer 1959 „Die Buddenbrooks“ sah.

Hansjörg Felmy wurde am 31. Januar 1931 in eine Berliner Hugenottenfamilie hineingeboren. Überzeugt, eine „Rossnatur“ zu sein, negierte der starke Raucher und Rotweintrinker die heraufziehenden gesundheitlichen Probleme. Am vergangenen Freitag ist Hansjörg Felmy in Niederbayern gestorben. Seit Mitte der 90er Jahre litt er an Osteoporose.

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