Kultur : Festivalreihe "Rauchzeichen & Schmauchspuren" im Ethnologisches Museum

chs

Der Wilde Westen ist eine Erfindung Hollywoods. Sicher hat es Revolverhelden, Kopfgeldjäger und Indianer auf dem Kriegspfad auch im wirklichen Leben gegeben. Aber so gefährlich, wie wir es uns heute immer vorstellen, wurde das Big Country erst im Film. Besonders locker saßen die Colts in den dreißiger Jahren, als die B-Western ihre Blütezeit hatten, schnell abgedrehte Billigstreifen, in denen das Schießen wichtiger war als die korrekte Ausleuchtung. "B-Western boten genau die Unterhaltung, die man nach einer arbeitsreichen Woche in der Fabrik brauchte", schreibt Thomas Jeier in seinem Buch "Der Westernfilm". "Sie zeigten einen strahlenden Helden und viel Action und verdarben den Spaß nicht durch langweilige Dialoge und eine komplizierte Handlung." Unter den Helden des B-Westerns war Gene Autry wahrscheinlich der strahlendste. Sein Hut glänzte im weißesten Weiß, sein Hemd war stets gebügelt, die rosigen Wangen sauber rasiert, auch wenn er stundenlang auf seinem Pferd Champion durch den Wüstenstaub geritten war. Die gute Laune ließ sich Autry von den Rothäuten nicht verderben, selbst in den prekärsten Situationen hatte er immer das richtige Lied auf den Lippen, schließlich war er der Singing Cowboy. Und weil Filme, in denen mehr gesungen als gesprochen wird, streng genommen Musicals sind, heißen Western seither auch Pferdeopern. An Autry und andere Idole des frühen Trash-Westerns erinnern Filmplakate aus der Sammlung von Michael S. Cullen, mit denen das Ethnologische Museum seine Indianerfilmreihe "Rauchzeichen & Schmauchspuren" flankiert. Während die zumeist dokumentarischen Filme den Westen zeigen, wie er wirklich war, offenbaren die Poster, wie eine naive Fantasie ihn sich auspinselte: bonbonbunt, bevölkert von aufrechten Kerlen und ziemlich wild.Ethnologisches Museum, Lansstr. 8 (Dahlem). Die 1. Staffel des Filmfestivals "Rauchzeichen & Schmauchspuren" läuft bis Sonntag

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