Kultur : Fette Beute

Am Gallery Weekend wollen alle teilhaben

Christiane Meixner

Das wäre geschafft: der erste Messe-Marathon in diesem Jahr mit Köln, Düsseldorf und Wien, bevor es Mitte Juni mit der Art Basel weitergeht. Zeit für eine Atempause haben Berlins Galeristen trotzdem nicht, denn zum dritten Gallery Weekend zeigen 29 Galerien von heute an bis Montag (jeweils von 11 bis 18 Uhr) neue Ausstellungen. Fast schon routiniert sind die Vorbereitungen zum gemeinsamen Fest mit einem Dinner für über 400 Gäste und den unzähligen Soloaktionen, die jede Galerie noch einmal für sich organisiert. Ein Wochenende der Superlative, nicht nur, was das internationale Kunstpublikum anbelangt, das sich angesagt hat.

Die Ausstellungen können sich sehen lassen: Arndt & Partner zeigen mit „Stand-alone“ eine Installation von Thomas Hirschhorn; Angela Bulloch stellt bei Esther Schipper aus, Contemporary Fine Arts präsentiert erstmals in Deutschland Dash Snow. Die Galerie Johnen hat jüngste Fotografien des US-Künstlers Jeff Wall parat und Klosterfelde neben Stefan Hirsigs Gemälden auch „Living Sculptures“ von Christian Jankowski: Drei lebensgroße Bronzefiguren werden vor der Neuen Nationalgalerie die Passanten irritieren, weil sie jenen Straßenkünstlern zum Verwechseln ähnlich sehen, die im Zeitlupentempo agieren.Vielleicht meint Jankowski mit seiner temporären Installation aber auch das Gallery Weekend und seine spektakulären Folgen. Denn immer mehr Kunsthändler docken mit zeitgleichen Eröffnungen an das Erfolgsmodell jener Galeristen an, die vor zwei Jahren dem beschleunigten Kunstbetrieb entkommen und ein Zeichen setzen wollten: Dass ihnen die Messeauftritte zwar wichtig, aber nicht elementar sind.

In den prall gefüllten Kojen gerät der einzelne Künstler und seine aktuelle Arbeit im Kontext des Werks aus dem Blick. Dafür braucht es Aufmerksamkeit bei mäßigem Tempo und einen sensiblen Ort, wie ihn nur die Galerie bieten kann. Das hat auch jenes Publikum begriffen, das nun im dritten Jahr zum Gallery Weekend pilgert, um konzentriert zu sehen, – und vor lauter Angebot in Zeitnot kommt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben