Filmfestival Cannes : Starker Start in den Wettbewerb

Cannes, Wettbewerb, Tag Eins: Mit "Timbuktu", einem Drama über Islamisten in Afrika, und mit Mike Leighs Biopic über den Maler William Turner beginnt der Wettstreit um die Goldene Palme.

Der erste Wettbewerbsfilm: Szene aus 'Timbuktu' von Abderrahmane Sissako. Der in Mauretanien geborene Regisseur lebt heute in Mali.
Der erste Wettbewerbsfilm: Szene aus 'Timbuktu' von Abderrahmane Sissako. Der in Mauretanien geborene Regisseur lebt heute in...Foto: dpa

Mit einem Drama über islamistische Fundamentalisten in Afrika gibt es beim Filmfest Cannes gleich vom ersten Wettbewerbstag an einen Anwärter auf eine der Auszeichnungen. Der von wahren Ereignissen inspirierte Film „Timbuktu“ erzählt vom Leben in einer kleinen Stadt, in der sich die Menschen gegen die Herrschaft der islamistischen Polizei auflehnen. Das teilweise sehr poetisch gefilmte Werk des Regisseurs Abderrahmane Sissako aus Mauretanien berührte viele Kritiker.

Dase "Timbuktu"-Team. Schauspieler Hichem Yacoubi, Regisseur Abderrahmane Sissako und die Darsteller Toulou Kiki, Abel Jafri, Ibrahim Ahmed.
Dase "Timbuktu"-Team. Schauspieler Hichem Yacoubi, Regisseur Abderrahmane Sissako und die Darsteller Toulou Kiki, Abel Jafri,...Foto: dpa

Die Islamisten verkünden scheinbar willkürlich neue Regeln: Rauchen ist verboten, Fußballspielen und Musik auch, Frauen müssen außer einem Chador auch Handschuhe und Socken tragen. Doch die Bewohner der Stadt begehren auf. Einige Frauen weigern sich, Handschuhe anzuziehen, junge Erwachsene musizieren. In einer besonders eindringlichen Szene kicken heranwachsende Männer voller Elan über ein staubiges Fußballfeld - ohne Ball, sie spielen mit ihrer Imagination.

Szene aus Mike Leighs Wettbewerbsfilm "Turner", einem Biopic über den britischen Maler William Turner, mit Timothy Spall in der Titelrolle.
Szene aus Mike Leighs Wettbewerbsfilm "Turner", einem Biopic über den britischen Maler William Turner, mit Timothy Spall in der...Foto: dpa

Die Steinigung eines Paares im Jahr 2012 sei der Ausgangspunkt seines Films gewesen, erklärte der Regisseur. Dessen Vergehen: Die beiden hatten ohne Trauschein zusammengelebt. Auch in „Timbuktu“ thematisiert Sissako (52) solch eine Steinigung - und schneidet in diese Szene Bilder eines in sich versunken tanzenden Islamisten. Denn auch das offenbart der Regisseur immer wieder: Was den Unterdrückten verboten ist, gilt noch lange nicht für die Machthaber selbst.

Der zweite Wettbewerbsbeitrag am Donnerstag ließ sich ebenfalls von der Geschichte inspirieren - wenn auch mit einem gänzlich anderen Ergebnis: In „Mr. Turner“ fokussiert der Brite Mike Leigh auf die letzten Jahre des britischen Malers William Turner (1775-1851), einem wichtigen Vertreter der Romantik. Timothy Spall („Harry Potter“-Filme) gibt wunderbar grummelnd den emotional angeknacksten Künstler, der zwischen zwei Frauen steht und mit der einen ein geheimes Doppelleben führt. Doch auch wenn Leigh das alles in opulenten Bildern einfängt, die oft selbst wie Gemälde wirken, kann die Geschichte nicht über die knapp zweieinhalb Stunden des Films fesseln. dpa

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