Kultur : Finale in Berlin

Pech für Franka Potente: Matt Damon löst „Die Bourne Verschwörung“ allein

Bodo Mrozek

In Goa, Indien, stürzt ein Geländewagen in einen Fluss. In Neapel überwältigt ein Amerikaner ein Killerkommando. In Moskau endet eine Verfolgungsjagd durch einem Autotunnel in einem Blutbad. Und in Berlin werden in einem Bürogebäude ein paar Beamte erschossen, die zu einer Behörde gehören, die es offiziell gar nicht gibt. Jedesmal fällt nur ein Name: Jason Bourne. Dumm nur, dass keiner so recht weiß, wer Bourne eigentlich ist, am wenigsten Bourne selbst. Der hat nämlich sein Gedächtnis verloren.

Jason Bourne (Matt Damon) hat die jungenhaften Gesichtszüge eines Footballkapitäns von der Highschool. Mit ein paar Einschusslöchern im trainierten Körper wurde er an der südfranzösischen Küste angespült. Unter seiner Haut war ein Computerchip mit der Nummer eines Schweizer Schließfaches voller Pässe, Euros und Pistolen implantiert, aber die Festplatte in Bournes Kopf war irgendwie gelöscht. Das war vor zwei Jahren in Doug Limans Film „Die Bourne Identität“. Matt Damon musste sich darin durch halb Europa kämpfen, bis er am Ende mit Franka Potente irgendwo am Mittelmeer eine Eisdiele eröffnete. Eine Antwort auf die quälende Frage nach der Identität blieb der Film seinem Protagonisten allerdings ebenso schuldig wie dem Kinopublikum.

Nun geht die wilde Jagd nach Antworten in ihre zweite Runde. Jason Bourne ist wieder da, und wieder spielt ihn Matt Damon. Franka Potente ist auch mit dabei, allerdings nicht lange, denn sie sitzt in dem Auto, das schon nach wenigen Filmminuten in dem indischen Fluss versinken muss, bevor die exotische Deutsche auch nur drei zusammenhängende Sätze sagen darf.

Pech für Franka, Pech für ihre deutschen Fans und Pech auch für Jason Bourne. Denn der ist nun auf sich alleine gestellt. Bei einer CIA-Aktion in Berlin tauchen seine Fingerabdrücke neben ein paar Leichen auf. Offenkundig will man ihm die Schuld in die Schuhe schieben, um Größeres zu vertuschen, doch indem sie ausgerechnet Bourne wieder in ihre dunklen Geschäfte hineinziehen, anstatt ihn mit Franka in Ruhe indische Strandparties feiern zu lassen, haben sie einen der gefährlichsten ihrer Widersacher aus seiner Umnachtung geweckt.

Matt Damon alias Jason Bourne hat diesmal russische Killer, einen ganzen Stab CIA-Agenten und so ziemlich alle Behörden gegen sich. Und obwohl er nur herausfinden will, wer er eigentlich ist, muss er ein Komplott im Sumpf aus globalisierter Wirtschaft und internationaler Politik aufdecken. Die „Bourne Verschwörung“, diesmal führt Paul Greengrass Regie, der für seinen Nordirland-Thriller „Bloody Sunday“ 2002 einen Goldenen Bären gewann. Greengrass kommt schnell zur Sache, rasanter und hintergründiger als der oberflächliche erste Teil.

In dem ging es einem ein bisschen wie seinem Helden selbst: Alles kam einem seltsam bekannt vor. Was daran gelegen haben könnte, dass die Geschichte vom Mann, der zu wenig wusste (Buch: Roger Ludlum), schon einmal als Zweiteiler fürs Fernsehen verfilmt wurde, vom Krimi-Regisseur Roger Young („Magnum“). Richard Chamberlain flüchtete darin 1988 an der Seite von Marie (Jaclyn Smith) durch Europa. Am Ende des zweiten Teils war er von allen (Selbst-)Vorwürfen reingewaschen. Denn obwohl er das Schießeisen so selbstverständlich benutzen konnte wie andere Leute ein Bügeleisen, war er eindeutig ein Guter. Man hatte ihn nur trainiert, so zu handeln und zu denken wie ein gesuchter Terrorist, der durch ein perfides Verwechslungsspiel in die Enge getrieben werden sollte. Am Ende winkten militärische Würden.

Heute haben sich die Dinge grundlegend geändert. Matt Damon ist als Jason Bourne ebenfalls ein Profi im Verfolgen, Verwischen und Töten und trotz allgemeiner Amnesie funktioniert sein Körpergedächtnis ausgezeichnet. In Berlin, der grauen Frontstadt der alten Weltkonflikte, findet er sein Gedächtnis allmählich wieder. Old Europe ist der Sitz der Erinnerung und hier muss die „Bourne Verschwörung“ auffliegen, die in der Neuen Welt, im CIA-Hauptquartier in Langley ausgeheckt wurde.

Die Neuauflage der „Bourne Identity“ geht mit dem Original um wie ein Remix mit einem Musikstück aus den Achzigern. Die schnell geschnittetenen Bilder aus der Kamera von Oliver Wood, der schon mit John Woo drehte, zitieren das altbekannte Thema, jagen es aber durch die Beschleunigungsmaschine veränderter Konflikte und Sehgewohnheiten. Am Ende reist Jason Bourne nach Moskau zu einem Mädchen, dessen Eltern irgendeiner Weltpolizei-Aktion zum Opfer fielen. Bourne ist diesmal nicht unterwegs um zu töten, sondern um Wahrheit zu stiften. Und immerhin das gelingt in diesem ambitionierten Thriller vollkommen kitschfrei.

In 22 Berliner Kinos, OmU im Cinemaxx Potsdamer Platz und Cinestar ím Sony Center.

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