Kultur : Findet Inder

Paramount und Spielbergs Dreamworks trennen sich

Sebastian Handke

Es war von Beginn an keine glückliche Ehe: nach drei unruhigen Jahren gehen Steven Spielberg und das Hollywood-Studio Paramount getrennte Wege. Paramounts Mutterkonzern Viacom hatte Spielbergs Studio Dreamworks 2005 für 1,6 Milliarden Dollar aufgekauft. Die Zusammenarbeit bescherte Paramount zwar nach schlechten Jahren wieder Erfolge an den Kinokassen („Transformers“). Künstlerische und persönliche Differenzen führten aber vor allem bei Dreamworks zur Entfremdung.

Paramount legte Spielberg bei seinem Weggang keine Steine in den Weg. Allzu eng ist man mit Dreamworks verwoben, ein anhaltender Streit um gemeinsam begonnene Projekte hätte beide Seiten gelähmt. Paramount hat zudem weiterhin Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem erfolgreichen und in Hollywood sehr mächtigen Regisseur und Produzenten. Das traditionsreiche Filmstudio gibt sich betont gelassen – obwohl der herbe Verlust sehr ungelegen kommt. Denn Paramount bekam als erstes Studio die Auswirkungen der Finanzkrise besonders heftig zu spüren: Im Juni verlor man den wichtigsten Finanzpartner, die Deutsche Bank. Deren Bedingungen für ein 450 Millionen Dollar schweres Paket mit 30 Filmen waren derart restriktiv, dass die Verhandlungen abgebrochen wurden. Paramount will sich seine Partner zukünftig projektweise zusammensuchen, die Deutsche Bank hat derweil ihre Abteilung für Filmfinanzierung geschlossen.

Seit die Herstellung aufwändiger Blockbuster viele Millionen Dollar verschlingt, kooperieren die Studios mit Finanzierungspartnern. In den letzten Jahren trugen zunehmend auch Investoren von der Wall Street ihr Geld nach Hollywood – ein riskantes, aber von Börsenkursen weitgehend unabhängiges Geschäft. Nun sitzt das Geld nicht mehr so locker. Auch Steven Spielberg, nicht gerade ein Filmemacher, der oft ein Nein zu hören bekommt, bekam das zu spüren: Paramount-Konkurrent Universal verweigerte seinem „Tintin“- Projekt die Finanzierung. Die dreiteilige Verfilmung des belgischen Comics war Universal zu riskant, obwohl mit Peter Jackson („Herr der Ringe“) ein weiteres Schwergewicht mit Erfolgsgarantie beteiligt ist.

Die Folgen der Geldknappheit sind also abzusehen: Hollywood-Studios dürften noch risikoscheuer werden als sie es ohnehin schon sind. Steven Spielberg, der Dreamworks immer als unabhängiges Studio mit gehobenem Anspruch führen wollte, fand immerhin einen Weg, die neue Unabhängigkeit mit ambitionierten Projekten zu verbinden: Der indische Geschäftsmann Anil Ambani, laut Forbes der sechstreichste Mann der Welt, wird über sein „Reliance“-Konglomerat 500 Millionen Dollar Kapital zur Verfügung stellen. Ambani erhält dafür einen Dreamworks-Anteil von 50 Prozent. Die Zusammenarbeit ist nicht ungewöhnlich: in Hollywood wird zunehmend mit dem Geld privater und sogar staatlicher Firmen aus Indien und dem arabischen Raum produziert. Es gibt Vermittler, die sich auf das Anwerben solcher Investoren spezialisiert haben. Das Schöne an dem Geldregen: Er ist kaum an Bedingungen geknüpft. „Warum Inder?“ zitiert die „New York Times“ einen DreamworksVerantwortlichen. „Weil es dort Menschen gibt, die viel Geld bezahlen, nur um neben Steven Spielberg in einer Premiere sitzen zu dürfen.“ Sebastian Handke

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