Kultur : Fisch mit Ouzo

Krisen-Kinokomödie: „Papadopoulos & Söhne“.

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Ein Grieche in London. Stephen Dillane als Auf- und Absteiger Harry. Foto: Neue Visionen
Ein Grieche in London. Stephen Dillane als Auf- und Absteiger Harry. Foto: Neue Visionen

Ein griechischer Film aus dem Herzen der Krise? Natürlich muss getanzt werden (Zorbas!). Es gibt einen Nebenstrang in Sachen griechisch-türkische Feindschaft (aufgedonnerte Graeco-Tochter bandelt mit türkischem Imbisssohn an). Und schließlich: Der griechische Held namens Harry fällt tief, weil er über seine Verhältnisse gelebt hat – wie das ganze Land.

Reicht es, einem Film das Label Feelgoodmovie anzuhängen, um im Windschatten der großen Schmunzelei hemmungslos mit Klischees jonglieren zu dürfen? Der Witz ist freilich, dass „Papadopoulos und Söhne“ gar nicht in Griechenland spielt, sondern in London. Wie sein Held Harry Papadopoulos hat sich auch Regisseur Markus Markou einst aus Griechenland nach London aufgemacht, um das Glück zu suchen. Gefunden hat er in seinem Debüt allerdings nur einen faden Kompromiss: süßliche Geschichte, 08/15-Dramaturgie, immerhin sympathisches Personal – und für die Eingeweihten ein paar Anspielungen und Augenzwinkerei. Die schmerzabweisenden Hochglanzeinstellungen etwa werden mitunter mit Rembetika und tieftraurigen Auswandererliedern unterlegt.

Harry (Stephen Dillane) hat sich als ehrgeiziger Grieche in London vom Imbissbetreiber zum Chef einer Feinkostkette hochgearbeitet. Aber dem rechtschaffenen Jungen steht eine windige Hochstaplerambition im Weg. Kaum wird er nämlich zum Unternehmer Europas gekürt, will er mit einem Supereinkaufszentrum das große Geld machen und steht, als wegen der Krise die Kredite eingefroren werden, vor dem Nichts. Was ihm bleibt? Der leer stehende Fish-’n’-Chips-Laden, in dem sein Aufstieg begann. Und seine Einwandererwurzeln, die er in seiner schicken Chelsea-Villa erfolgreich verleugnen konnte.

Den wirklich echten Zorbas-Griechen gibt Georges Corraface als Harrys Bruder Spiros. Er spielt den guten Geist, trägt zur lebenslustigen Genießermähne das Hemd immer offen und gibt gern esoterische Lebensweisheiten zum Besten, wenn er nicht gerade südländisch laut lacht. Zufällig gehört die Hälfte der Imbissbude ihm. Zufällig sind die Brüder zerstritten. Schnösel Harry darf also nicht nur zu Farbeimer und Pinsel greifen, sondern auch noch alte Familienkonflikte aufarbeiten.

Und das Happy End? Harrys sagenhaft schöne Gattin steht ihm fürderhin an der Fritteuse zur Seite und der Bruder weiß immer einen guten Spruch: „Was ist Erfolg?“ – „Die Freude, die du empfindest!“ Darauf einen Ouzo. Andreas Schäfer

Cinemaxx, FaF, Kant, Kulturbrauerei, Moviemento; OmU: Hackesche Höfe und Rollberg

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