Kultur : Flackern, Klingen, Hören, Sehen

KUNST

Ulrich Clewing

Zum zehnten Mal findet die „Rohkunstbau“ in Leuthen statt, und inzwischen hat sich das kleine Kunstfestival am Rande des Spreewaldes ganz schön gemausert (Vernissage heute Abend 18 Uhr, ein Busshuttle ist eingerichtet, Informationen hierzu sowie zum Rahmenprogramm unter der Telefonnummer 0700/76458678228). Das idyllisch am See gelegene Schloss in Leuthen wäre allein schon einen Ausflug wert: Bis vor vier Jahren ein Kinderheim, gibt der späthistoristische Bau aus der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg den perfekten Rahmen ab für Auftritte von bekannten und noch nicht so bekannten Künstlern (bis 31. August, Mi bis Fr 16 – 19 Uhr, Sa/So 10 –19 Uhr).

In der Eingangshalle hat der Niederländer Bill Spinhoven eine verblüffende Videoinstallation aufgebaut, die versetzte Zeit und übersteuerte Bewegungen in Bilder transformiert. Mit Transformationen hat sich auch der in Lüneburg und Berlin lebende Tilman Küntzel eindrucksvoll beschäftigt: Er bringt das flackernde Licht eines Kronleuchters zum Klingen – eine seltsame Mischung aus Sehen und Hören. Im ehemaligen Schlafsaal präsentiert einer der gefragtesten Maler der jungen Generation seine Gemälde: Norbert Bisky zelebriert wieder einmal die Brüche der Adoleszenz. Zwei Zimmer weiter zeigt MK Kähne, der ironische, hintersinnige, skurrile Ausstatter „für den modernen Mann“, sein sehr komisches, vollkommen übertriebenes ideales „Künstlerhaus“ im Modell. Den Nebenraum darf Kollege Micha Brendel mit seinem verquasten Alchemisten-Nonsens verunstalten; auf Sven Drühls Caspar-David-Friedrich-Persiflage hätte man verzichten können. Fazit: Wo Licht ist, ist halt auch Schatten.

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