Flüchtlings-Stadtplan für Berlin : Der etwas andere Wegweiser

„Arriving in Berlin“, ein Projekt des Hauses der Kulturen der Welt mit dem Haus Leo, wird am Freitag im HKW vorgestellt: ein Stadtplan von Flüchtlingen für Flüchtlinge.

Supermärkte, Behörden, aber auch Sportplätze, Bibliotheken und Ärzte: Den Stadtplan haben Flüchtlinge selbst erarbeitet, im Netz findet er sich unter http://arriving-in-berlin.de.
Supermärkte, Behörden, aber auch Sportplätze, Bibliotheken und Ärzte: Den Stadtplan haben Flüchtlinge selbst erarbeitet, im Netz...Foto: HKW/Leila Haghighat

Wo bitte geht’s zum Ku’damm, lautete in der Nacht des 9. November 1989 die meistgestellte Frage von Ost-Berlinern. Wo bitte geht’s zur nächsten Bibliothek, zu Hilfsorganisationen, zum Asylrechtsanwalt, zur arabisch sprechenden Ärztin? Stadtpläne sind für jeden Neu-Berliner von existenzieller Bedeutung, für Flüchtlinge erst recht. Da ist ein mehrsprachiges „Mapping“-Projekt mit und für Refugees eine naheliegende Idee: Am Freitag stellt das Haus der Kulturen der Welt in Zusammenarbeit mit dem Haus Leo, einem Wohnheim unweit des Hauptbahnhofs die interaktive Website „Arriving in Berlin“ vor. Der sich ständig verändernde, bunt gespickte Stadtplan auf Englisch, Arabisch und Farsi verzeichnet Anlaufstellen aller Art, vom Gratis-Deutschkurs über Polizeidienststellen bis zu frei zugänglichen Freizeiteinrichtungen.

Stadtpläne sind geteilte Information, unvollendete Geschichte

Erarbeitet haben den Plan vier Bewohner des Hauses Leo, die 2014 nach Berlin kamen. Der afghanische Architekturstudent Hamidullah Ehrari, der ein Praktikum bei Chipperfield absolviert hat (und mit den Behörden kämpft, um an der TU studieren zu können), und der Dolmetscher Mohammad Yari, der in Afghanistan u. a. für die Uno arbeitete, stellen das Projekt vor. Ihre Mitstreiter waren der iranische Melktechniker Farhad Ramazanalim (der jetzt in Hamburg als Sprach- und Kulturvermittler arbeitet) und der syrische Jurastudent Alhadi Aldebs.

Das Haus der Kulturen stellt in einem großen Ausstellungsprojekt derzeit ohnehin gerade die "Wohnungsfrage", da passt das "Mapping" gut dazu. Stadtpläne sind für alle da, für die Eingesessenen, die Neuankömmlinge, die Fußgänger, die Radfahrer, die Stauvermeider, die BVG-Nutzer (wer registriert ist, kann mit dem Berlin-Pass verbilligte Tickets erwerben). Stadtpläne, heißt es in den zitierten „Notes for a People’s Atlas“, sind geteilte Information, unvollendete Geschichte – und erinnern daran, „dass wir nicht wissen, wo wir hingehen, wenn wir nicht wissen, wo wir herkommen“. chp

http://arriving-in-berlin.de, Haus der Kulturen der Welt, 27.11., 17 Uhr, Eintritt frei

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