Kultur : Forum: Das große Gackern

Silvia Hallensleben

Japan ist angesagt, besonders bezüglich Mädchen, T-Shirts und Comic-Figuren. Doch Japan ist auch immer noch ein stockpatriarchales Land, in dem unverheiratete Frauen schon mit Mitte zwanzig Probleme kriegen. Und auch das Girlietum hat eine dubiose Tradition, die sich in einer Vorliebe für Söckchen, Kichern und Rattenschwänze manifestiert und gerne von Männern mittleren Alters betrieben wird.

Gut also, wenn in "Love/Juice" einmal ein japanisches Girlie selbst das Mädchentum beleuchtet. 22 Jahre ist Regisseurin Kaze Shindo, und sie erzählt von zwei Teenies, die zusammen wohnen und zum Gelderwerb im Bunny-Dress Drinks servieren, wofür sie zur Rache manchmal mit den Männern derbe Scherze treiben. Eine der beiden, die Coolere, ist in die andere verliebt. Die erwidert diese Gefühle nicht, lässt sich aber mit einer gewissen Koketterie doch auf ein paar Spielchen ein, deren Grenzüberschreitungen eher auf psychischem denn auf körperlichem Terrain liegen. "Love/Juice", den Kaze Shindo für 180 000 DM in nur zwei Monaten von der Idee zum Zelluloid gebracht hat, ist kein Coming-Out-Film, eher ein bonbonbuntes Stimmungsbild über die Spannung zwischen großen Sehnsüchten und albernem Herumgackern. Dazwischen wird Eis geschleckt und die Fische beim Überlebenskampf beobachtet.

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