Kultur : Fotografie: Bekenntnis zum Mangel

Roland Berg

"Berlin bleibt doch Berlin." Mit dieser autosuggestiven Formel des Zweckoptimismus endet die Diskussion zur Zukunft der Fotografie in Berlin auf dem Art Forum. Die Stimmung ist nahe dem Nullpunkt. Zumindest die nahe Zukunft der Fotografie scheint wenig rosig, darin sind sich die Diskutanten unter der Moderation von Bernd Fechner weitgehend einig. Grund zur Enttäuschung bietet vor allem die am Freitag veröffentlichte Mitteilung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Deutsche Centrum für Photographie (DCP) vorerst nur in einer Schrumpfform zu realisieren. Im Vergleich zu der noch vor zwei Jahren von der Stiftung geäußerten Absicht, im östlichen Stülerbau ein Fotomuseum als nationales "Kompetenzzentrum" aufzubauen, das nicht nur glamouröse Ausstellungen veranstalten sondern auch Forschungs- und Restaurationsaufgaben verwirklichen sollte, ist die neue "Kleinstlösung" ein "Bekenntnis zum Mangel", wie Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen, gesteht.

Das DCP mit seinem "distinkten Ort" in der Parey Villa am Kulturforum sei ein "zartes Gebilde", ohne eigene Ausstellungsräume, ohne Etat und ohne detaillierte Konzeption. Im Grunde ein Desaster, das kann man bei allen Diskutanten durchhören - jedoch nur verdeckt. Denn ohne die Stiftung, die in dem ungeliebten Balg offenbar einen zusätzlichen Kostgänger sieht, geht es nicht.

Klaus Honnef, einziger Fotografie-Professor in Deutschland, bezeichnet die Situation als "kulturellen Schrebergarten". Es gebe viel Mittelmaß, aber keine zentrale Einrichtung mit internationaler Ausstrahlung. Die bedeutendsten Sammlungen befänden sich in privaten Händen, ergänzt der Fotogalerist Rudolf Kicken. Ohne ein renommiertes Institut wanderten diese Schätze in ausländische Museen. Dabei ließe sich das Geld, um das Kulturgut Fotografie in Deutschland zu halten, durchaus finden: Kicken erinnert an das Beispiel der Sammlung Berggruen.

Allerdings fehle es an Bewusstsein für die Bedeutung der Fotografie, assistiert Honnef und unterstreicht damit eine These von Manfred Heiting. Heiting, ehemals Projektleiter des DCP, skizziert so etwas wie eine Schweigespirale: Die unzureichende Museumskultur, das fehlende originale Anschauungsmaterial und die nicht vorhandene Möglichkeit eines fotohistorischen Studiums führen zu einer Marginalisierung der Fotografie. Die Folge: Bei den politischen Verantwortlichen findet sie wenig Gehör. Selbst bestehenden Einrichtungen der Stadt, wie die "bis dato beste Sammlung" an der - derzeit heimatlosen - Berlinischen Galerie bekämen keine Unterstützung.

Für Peter-Klaus Schuster wird bei diesem Thema eine allgemeine Malaise offenbar: Der an Berlin herangetragenen Erwartung als Kulturhauptstadt steht eine fehlende Alimentierung entgegen. Das sei der eigentliche Skandal. Dabei entpuppten sich die Staatlichen Museen immer mehr als kulturelles "Vineta". Der Fotohistoriker Enno Kaufhold, der mittels Evaluierung viele versunkene Schätze ans Tageslicht brachte, erinnert daran, dass neben dem gefährdeten "hochpotenten Material" auch "personelle Kapazitäten" brachlägen. Bei so viel Traurigkeit auf dem Podium möchte das zahlreich erschienene Publikum gar nicht erste mitdiskutieren. Übrigens: Bei den privaten Galerien ist Berlin längst Fotografiestandort Nummer eins.

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