FOTOGRAFIEN„Secret Views“ von Roswitha Hecke : Die harte und die zarte Seite

Michael Zajonz

„Menschen – Orte – Fäuste“ heißt ein Fotobuch, das sie in den siebziger Jahren zusammen mit ihrem damaligen Lebensgefährten, dem Schriftsteller Wolf Wondratschek, gemacht hat. Wo immer sich die 1944 geborene Fotografin Roswitha Hecke aufhält, spürt sie mit der Kamera den zarten und den harten Seiten des Lebens nach. Und das voller Empathie für die Menschen, die sie in teils intimen Augenblicken fotografiert. Unter dem Titel „Secret Views“ werden nun im Martin-Gropius-Bau Heckes Aufnahmen von 1964 bis heute gezeigt.

Geheime fotografische Blicke erbeutet die weit gereiste Künstlerin, die seit einigen Jahren wieder in ihrer Heimatstadt Hamburg lebt, von Wildfremden auf der Straße, in der Boxarena oder im Bordell genauso zielstrebig wie von vertrauten Künstler-Freunden. 1965 lernt Hecke den Theaterregisseur Peter Zadek kennen. Für ein paar Jahre darf sie exklusiv die revolutionären Theaterexperimente ihres damaligen Lebensgefährten dokumentieren. Außerdem fotografiert sie frühe Inszenierungen von Werner Schroeter, Rainer Werner Fassbinder, Eric Rohmer. Seit 1967 begleitet sie mit der Kamera die Schauspielerfamilie Bennent. Ein anrührendes fotografisches Tagebuch des Reifens und Alterns.

Furore macht Hecke 1978 mit ihrem Fotoband „Liebes Leben“, in dem sie Alltag und Träume einer Zürcher Prostituierten ins Bild setzt. Ohne das Vertrauen der Dargestellten in die Integrität der Fotografin wären solche treffenden Bilder vom wahren Leben im Falschen nicht möglich. Bilder, die streicheln und schlagen. Zugleich echt und erfunden.Michael Zajonz

Martin-Gropius-Bau, Fr 5.10. bis So 6.1.08, Mi-Mo 10-20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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