Kultur : Fragen, Antworten, Genuß

KATJA REISSNER

"Als Kind habe ich im Bett gelegen und mich gefragt, was hinter dem Himmel ist", sagt Paula Böttcher und blickt dabei auf die Fotopaneele von Alyssa DeLuccia, die Wolkenpanoramen zeigen.Nur zwei davon sind ausgestellt in dem perfekten kleinen White Cube, einem sehr hellen Raum, in dem das Licht durch eine Deckenbespannung gefiltert wird.Er befindet sich, mit vollständig abgedichteten Fenstern, in dem Haus Kleine Hamburger Straße 15, das renovierungsbedürftig ist und dessen Zukunft noch in den Sternen steht.

"Mit meinen Künstlern habe ich die Galerie renoviert", sagt die Galeristin und ergänzt: "Ich will mit den Künstlern meiner Generation zusammen wachsen." Das romantische Bild einer 26jährigen Jung-Galeristin entsteht, die dazu auch noch aus dem "Osten" kommt und ihren Geburtsort nicht Chemnitz sondern Karl-Marx-Stadt nennt.Es mag nicht falsch sein, dieses Bild, doch ist das längst nicht alles.Eine besonnene Reflexion und künstlerische Kompetenz sowie galeristische Erfahrung kommen hinzu.Letztere hat sie sich durch eine zweijährige Assistenz bei den benachbarten DogenhausProjekten, bei Jochen Hempel, erworben.Außerdem war sie dieses Jahr schon auf der Gramercy Art Fair in New York sowie auf der Art Basel präsent.

"Ich wollte nach Berlin gehen, um Taxi zu fahren", doch dazu ist Paula Böttcher gar nicht gekommen.Sie hatte genug damit zu tun, im Betreiben der Galerie und der Ausstellungstätigkeit die Form zu finden, die sie als angehende Künstlerin nicht fand, "weil ich zwar Ideen, aber nicht die Geduld hatte".Sie schloß ihr Kunststudium auf der traditionsreichen Leipziger Hochschule mit einem ungewöhnlichen Diplom ab, nämlich mit der Darlegung ihrer galeristischen Arbeit.Außerdem ist sie Meisterschülerin von Astrid Klein, die der konventionellen Lehre von Malerei und Bildhauerei ihren Umgang mit Fotografie entgegensetzt.

Paula Böttcher arbeitet mit einigen jungen Leipziger Künstlern, wie beispielsweise Peter Krauskopf.Er erfüllt ein Kriterium, das für sie wichtig ist, nämlich eine klare und direkte Formensprache.Er reflektiert seine Bildformate immer neu in geometrischen Flächen; so konnte sie auch die Malerei wieder akzeptieren."Die Medien stehen für mich gleichberechtigt nebeneinander", sagt sie.Eine andere Künstlerin, Anett Stuth, dokumentierte in ruhigen Fotografien die Stimmung nach der Wende mit Aufnahmen neuer Baulandschaften und der Menschen, die geblieben, aber auch hinter den neuen Verhältnissen zurückgeblieben sind.

Ebenso ausführlich wie von den Künstlern spricht sie von ihrem eigenen, gleichsam ebenfalls künstlerischen Medium, der Galerie und den Ausstellungen.Eine Galerie, das ist für Paula Böttcher eine bald überholte, aber gegenwärtig noch bedeutsame Station auf der Reise der Kunstwerke, "ein öffentlicher Raum, dem aber aufgrund seiner Struktur größere Erwartungen, Anforderungen und auch größere Skepsis entgegengebracht werden als anderen öffentlichen Räumen".Er muß dazu beitragen, dem Publikum "in seiner Überschaubarkeit Fragen, Antworten, Genuß zu vermitteln".

Im Dezember letzten Jahres folgte sie einer beliebten Konvention unter den Galeristen zur Weihnachtszeit und zeigte eine Gruppenausstellung mit ihren neun Künstlern.Sie nahm dies jedoch zum Anlaß, den Kubus zu vervielfältigen, neunfach als Modell zu präsentieren, so daß die Künstler die verkleinerten Raumbehälter als Rahmen eines Beitrages akzeptieren mußten.Denn "eine Galerie ist ein verschwindend kleiner, in Relation gesehen geradezu nichtiger Raum.Verschließt er sich selbstgefällig, wird er es bleiben".Paula Böttcher und ihre Künstler öffnen diesen Raum immer wieder aufs Neue.

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