Frankfurter Buchmesse : 50. Kritikerempfang beim Suhrkamp Verlag

Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz lud zum traditionellen Kritikerempfang ein. Diesen Empfang soll es weiterhin geben - auch nach dem Umzug nach Berlin.

Gerrit Bartels

Spricht man mit Joachim Unseld über den zum Jahreswechsel bevorstehenden Umzug des Suhrkamp Verlages nach Berlin, schüttelt er nur den Kopf und sagt: „Der Verlag kann gar nicht umziehen, ich weiß gar nicht, wie das gehen soll.“ Unseld sagt das natürlich nicht, um sein Gegenüber zu verwirren oder auf den Arm zu nehmen, sondern mit gutem Grund: Er selbst hat gegen den nur „mehrheitlich“ gefällten Umzugsbeschluss der Suhrkamp-Gesellschafter geklagt, dagegen, ob dieser überhaupt gültig sei, da er gegen sein Votum als Gesellschafter zustande gekommen ist. Die Klage ist anhängig, und ein für letzte Woche geplanter Verhandlungstermin wurde erst einmal wieder verschoben, da der Suhrkamp Verlag gegen die seiner Meinung nach Joachim Unseld zu sehr gewogene Richterin einen Befangenheitsantrag gestellt hat.

Hängt in dieser Hinsicht einiges geradezu beängstigend in der Schwebe - was ist, wenn das Gericht den Umzugsbeschluss tatsächlich für ungültig erklärt? -, so sind auch andere Dinge weiterhin ungeklärt. Noch immer ist offen, ob nun das Deutsche Literaturarchiv in Marbach oder die Frankfurter Universität die Archive der Verlage Suhrkamp und Insel bekommen, und auch für das Verlagshaus in der Lindenstraße ist offensichtlich noch kein Käufer gefunden.

Dessen ungeachtet lud Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz am Mittwochnachmittag zum traditionellen Kritikerempfang ein, der in diesem Jahr zum 50. Mal stattfand, wie die Verlegerin freudig verkündete. Diesen Empfang werde es weiterhin geben, auch nach dem Umzug nach Berlin, betonte sie in ihrer kleinen Ansprache. Dann verlas sie die Namen der anwesenden Suhrkamp-Autoren und übergab Oswald Egger das Wort, der acht Seiten aus einem demnächst bei Suhrkamp erscheinenden und rund 800 Seiten zählenden Prosa-Großwerk las. Und natürlich waren alle wieder da, zumindest alle, die eine Einladung bekommen hatten, und natürlich ließ es sich in der Unseld-Villa auf kleinstem Raum wieder schön mit Autoren ins Gespräch kommen. Thomas Meinecke berichtete von seinen Erfahrungen mit Facebook, Rainald Goetz pries das neue Maxim-Biller-Buch „Der gebrauchte Jude“ in höchsten Tönen, Stephan Thome zeigte sich ganz und gar nicht unglücklich darüber, dass er beim Deutschen Buchpreis leer ausging, und Marcel Beyer wies seine Verlegerin daraufhin, dass sie ihn bei der Aufzählung der Autoren schlichtweg vergessen hätte, er sei doch auch da. Nicht gesichtet hingegen wurden zum Beispiel Otto de Kat oder Cees Nooteboom, und auch der von Unseld-Berkéwicz genannte Andreas Maier schien eher einen Kurzeinsatz gegeben zu haben. Trotzdem versteht es sich, dass im nächsten Jahr alle wieder kommen werden - was für ein Gerichtsurteil auch immer über den Umzugsbeschluss des Suhrkamp Verlages gefällt werden mag.

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