Freude in Kassel : Na also: Die Wilhelmshöhe wird Weltkulturerbe

Das Welterbe-Komitee der Unesco hat getagt und neue Kulturerbestätten in seine Liste aufgenommen. Dazu gehört auch die Wilhelmshöhe in Kassel und Japans höchster Berg, der Fuji.

Wasserspiele auf der Kasseler Wilhelmshöhe. Foto: dpa
Die Kasseler Wilhelmshöhe, Europas größter Bergpark mit Herkules und Wasserspielen, kann sich freuen. Das Welterbe-Komitee hat sie...Foto: dpa

Der Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe samt Herkules und Wasserspielen gehört künftig zum Kultur- und Naturerbe der Welt. Das Unesco-Welterbekomitee nahm die Anlage am Sonntag bei seiner 37. Tagung im kambodschanischen Phnom Penh in seine Liste auf. Das Komitee würdigte den Bergpark als ein Gesamtkunstwerk, in dem unterschiedliche Strömungen der Gartenarchitektur, der Kunstgeschichte und Technikgeschichte bis heute unverfälscht nachvollziehbar seien. Die über 300 Jahre alte Kulturlandschaft mit ihren weltweit einmaligen Wasserspielen sei ein „einzigartiges Beispiel des Europäischen Absolutismus“. Der Bergpark Wilhelmshöhe entstand seit 1696 nach einer Idee des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel, um die Stellung der Kasseler Fürsten im Absolutismus gegenüber anderen Herrscherhäusern in Europa aufzuwerten. Zu den zahlreichen Sehenswürdigkeiten des Parks zählen die weltweit einzigartigen Wasserspiele, das Schloss Wilhelmshöhe mit seinen berühmten Sammlungen, die als künstliche Ruine angelegte Löwenburg und das Wahrzeichen der Stadt Kassel, der Herkules. Der 240 Hektar große Landschaftspark ist der größte Bergpark in Europa.

Die Wilhelmshöhe ist der größte Bergpark Europas

Ein monumentales Wassertheater sorgt für eine bis heute weltweit einmalige Inszenierung. Mehr als 750.000 Liter Wasser fließen über Kaskaden, Becken, Rinnen und Aquädukte in rund 80 Meter Tiefe. Am Ende steigt das Wasser in einer 50 Meter hohen Fontäne über dem Schlossteich empor. Die innovative Technik der Wasserführung, die das natürliche Gefälle des Bergparks nutzt, war seinerzeit einzigartig.

Der umwölkte Vulkan Fuji, Japans höchster Berg. Foto: AFP
Der umwölkte Vulkan Fuji, Japans höchster Berg, ist als Pilgerstätte und Inspirationsquelle für bildende Künstler von hoher...Foto: AFP

Das UNESCO-Welterbekomitee mit 21 Experten tagt noch bis Donnerstag. Bereits am Freitag hatte es beschlossen, den 3776 Meter hohen Fuji, den höchsten Berg Japans, in die Weltkulturerbe-Liste einzutragen, wohlgemerkt, in die Kulturliste, nicht in die Liste schützenswerter Naturerbestätten.

Das Weltkulturerbe-Komitee würdigt den Fuji als religiöse und kulturelle Stätte

Der Denkmalpflegebeirat Icomos stellte die Bedeutung des Berges als heilige Stätte heraus, an dem Pilger nicht nur Tempel besuchen, sondern auch durch Besteigen spirituelle Erfüllung suchten. „Die Ehrfurcht vor dem imposanten Berg schlug sich in religiösen Praktiken nieder, die Schintoismus und Buddhismus ebenso miteinander verbanden wie Menschen und Natur“, heißt es in einer Erklärung. Hinzu kommt die Bildende Kunst: Zahlreiche im 19. Jahrhundert geschaffene Bilder des Fuji machten ihn weltweit bekannt und hinterließen einen „tiefen Eindruck auf die Entwicklung der westlichen Kunst“ Der Vulkan liegt etwa hundert Kilometer südwestlich der japanischen Hauptstadt Tokio und brach zuletzt vor 300 Jahren aus. Neben seiner Gipfelregion wurden auch verschiedene Sehenswürdigkeiten an seinem Hang in die Welterbeliste aufgenommen, darunter Schreine, Gasthäuser und „verehrte Naturphänomene“ wie Wasserquellen, erkaltete Lavaformationen und ein Wasserfall.

Auch neu als Weltkulturerbe: Stätten in Katar, Niger, Iran und Nordkorea

Die historische Altstadt Agadez in Niger samt Minarett, dem höchsten erhaltenen Lehmbau der Welt. Foto: AFP
Ebenfalls neu auf der Liste: die historische Altstadt Agadez in Niger samt Minarett, dem höchsten erhaltenen Lehmbau der Welt.Foto: AFP

Am Samstag und Sonntag wurden weitere Stätten neu in die Liste aufgenommen, Ort und Kulturschätze in China, Japan, Qatar, Niger, Italien, Iran, Nordkorea oder Portugal. Zu den nun annähernd 980 Natur- und Kulturdenkmälern zählen der Golestan-Palast in der iranischen Hauptstadt Teheran aus dem 16. Jahrhundert, der einstige Sitz der persischen Herrscher. Die alte Königshauptstadt Kaesong in Nordkorea aus dem 10.
Jahrhundert wurde ebenso als Welterbe eingetragen wie die einstigen griechischen Kolonien aus dem 5. Jahrhundert vor Christus um Chersones auf der Halbinsel Krim in der Ukraine. Außerdem: die Reisterrassen in der chinesischen Provinz Yunnan, das Fort al Zubarah in Katar und die Altstadt von Levuka auf den Fidschi-Inseln. Die beiden letzteren Länder sind erstmals auf der Liste vertreten. In Kanada gehört nun eine alte Walfängerstation in Rad Bay zum Welterbe, Niger bekommt das Gütesiegel für die Altstadt von Agadez aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Lehmbauten gibt es bereits etliche auf der Welterbeliste. Die Moschee mit dem imposanten Minarett in der Altstadt von Agadez gilt jedoch als höchster je errichteter Lehmbau. Zur Altstadt gehört außerdem ein Sultanspalast. Für Niger war es bereits der dritte Eintrag auf der Liste.

Portugals älteste Uni ist nun auch Weltkulturerbe

Auch Portugal kann sich freuen. Icomos war aus Sorge über möglicherweise störende Bauvorhaben vom Antrag zur Aufnahme der Universität von Coimbra nicht überzeugt und empfahl eine Rückstellung. Die 21 Komitee-Mitglieder nahmen den Antrag dennoch an, nun firmiert auch die erste portugiesische Universität, die ihren Ursprung im 13.Jahrhundert hat, als Weltkulturerben.

Bereits im Lauf der vergangenen Woche hatte das Welterbe-Komitee der Unesco auf die Weltdokumentenliste deutsche Kulturschätze aufgenommen, darunter die Himmelsscheibe von Nebra. Mehr dazu erfahren Sie hier. Über die Aufnahme einiger Schriften von Karl Marx hatte es nicht nur erfreute Reaktionen gegeben.

dpa/AFP/Tsp

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