Kultur : Friedensappell: Das Wort als Waffe: Dichter gegen den Drogenkrieg in Kolumbien

Tobias Burghardt

Insgesamt 626 Dichter und Schriftsteller aus 96 Ländern haben jetzt in einem offenen Brief an die 26 Geberländer des "Plan Colombia", der die Beendigung des kolumbianischen Bürgerkrieges herbeiführen soll, eine "intelligente und friedliche" Lösung des Konflikts gefordert. Die Petition an die Regierungschefs geht zurück auf die Friedensinitiative des kolumbianischen Lyrikers und Poesiefestivalleiters, Fernando Rendón, und 74 internationaler Dichter, die vor einem Monat am Weltpoesiefest im kolumbianischen Medellín teilnahmen. Mit rund 100 Lesungen lockten sie rund 120 000 Zuhörer. Das Festival stand diesmal unter dem Motto eines Verses des 83-jährigen chilenischen Dichters Gonzalo Rojas: "Deine Wurzel ist ein Stern, der reiner ist als die Gewalt". Die Medellíner feierten erneut "ein paar Verse - wer hätte das gedacht! - auch heute noch, wie zu homerischen Zeiten" (Hans Magnus Enzensberger).

Das Poesiefestival wurde vor zehn Jahren als Antwort auf die Gewalt des Drogenkrieges gegründet und verstand sich seither als ein friedensstiftender Impuls. Dem seit 36 Jahren andauernden Guerillakrieg hat nun der amerikanische Kongress durch Bereitstellung von 1,3 Millarden Dollar Militärmittel den Kampf angesagt. Damit ist geplant, Flugzeuge und Kampfhubschrauber zu entsenden, eigene Truppen vor Ort zu stationieren und die Drogenanbauflächen zu vernichten. Die ersten Hubschrauber wurden in dieser Woche geliefert. Die europäischen Länder und die UNO hatten allerdings auf der Madrider Konferenz vor einem Monat Vorbehalte gegen die unheilvolle Kombination militärischer und sozialer Maßnahmen geäußert, aber der kolumbianischen Regierung Mittel in Höhe von 871 Millionen Dollar zugesagt. Einer Verschärfung des Guerillakrieges kann jedoch allein durch ein vorheriges Friedensabkommen begegnet werden.

Gleichzeitig richtet sich der jetzige Brief aus Medellín an die Dichterkollegen in aller Welt, den Friedensprozess in Kolumbien nachdrücklich zu bestärken. Das Schreiben beginnt mit einem Laotse-Zitat: "Wer sich an der Schlacht labt, wird seinen Willen nicht erfüllt sehen." Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehören die beiden Literaturnobelpreisträger José Saramago (Portugal) und Wole Soyinka (Nigeria), der Präsident des Internationalen P.E.N.-Clubs, Homero Aridjis (Mexiko), sowie Lawrence Ferlinghetti (USA), Juan Gelman (Argentinien), Eliot Weinberger (USA), Haroldo de Campos (Brasilien), Adonis (Syrien), Elena Poniatowska (Mexiko), Joachim Sartorius (Deutschland), Mario Benedetti (Uruguay), Kofi Awonoor (Ghana), José Emilio Pacheco (Mexiko), Sutardji Calzoum Bachri (Indonesien), Thiago de Mello (Brasilein), Kwang-Kyu Kim (Korea), Roberto Fernández Retamar (Kuba), Galsan Tschinag (Mongolei), Carmen Boullosa (Mexiko), Hugo Claus (Belgien), Mempo Giardinelli (Argentinien), Ilma Rakusa (Schweiz), Frankétienne (Haiti), Nguyen Chi-Trung (Vietnam) und Saúl Ibargoyen (Uruguay). Darin fordern sie die Regierungen und internationalen Organisationen auf, die Gespräche zur Vorbereitung eines dauerhaften Friedensabkommens ernsthaft fortzusetzen.

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