Kultur : Führungsduo der Union: Parteienforscher Jürgen W. Falter über den Zustand der CDU

Wie viel Zeit geben Sie der CDU-Doppelspitze denn

Jürgen W. Falter (57) ist Wahl- und Parteienforscher. Er arbeitet am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Mainz.

Wie viel Zeit geben Sie der CDU-Doppelspitze denn noch?

Maximal ein halbes Jahr. Falls es sich nicht bessert. Und nur noch wenige Wochen, falls die CDU bei den Wahlen in Baden-Württemberg deutlich unter 40 Prozent sinkt.

Eine Landtagswahl kann das Ende der Doppelspitze bedeuten?

Ja, denn das ist zunächst einmal das wichtigste Wahldatum in diesem Jahr. Der baden-württembergische Landesverband der CDU ist ein sehr wichtiger, ein mächtiger Landesverband. Wenn man dort einen schweren Dämpfer hinnehmen müsste, dann wird man dort die Schuld nicht bei sich suchen. Denn es sieht ja, was die Landespolitik angeht, ganz gut aus.

Wer ist das Problem: Merz, Merkel oder diejenigen, die gerne an Stelle der beiden sitzen würden?

Ich glaube gar nicht, dass das Personenprobleme sind, sondern es sind Abstimmungsprobleme. Es sind ungeklärte Wettbewerbsprobleme. Es ist nicht klar, wer wofür spricht, wer für welches Sachgebiet verantwortlich ist und wie man sich untereinander abspricht, sodass die anderen dann nichts anderes sagen. Zudem gibt es einige Leute in der CDU, die genüsslich zurückgelehnt beobachten, wie die beiden sich abstrampeln und dann sagen, wir haben es ja immer gewusst, die können es nicht.

Wer steht denn Ihrer Meinung nach noch loyal zur Doppelspitze?

Stoiber zum Beispiel. Stoiber und die CSU haben bisher in einer bemerkenswerten Art und Weise Selbstverleugnung betrieben. Die sind sehr unzufrieden mit dem, was passiert. Sie haben aber die Parole ausgegeben, wir können nur was erreichen, wenn wir zusammenhalten. Das geringste Sperrfeuer kommt aus München.

Sie sehen also ein Loyalitätsproblem innerhalb der CDU?

Es gibt sicherlich Heckenschützen. Aber es ist nicht die Frage von Heckenschützen, sondern von aktiver Unterstützung für die beiden. Da hat man manchmal den Eindruck, es geschieht weniger als geschehen könnte.

Sind denn Doppelspitzen generell schwierig oder kommt es ganz auf die Konstellation in der Partei an? Bei den Grünen funktioniert es ja in letzter Zeit nicht so schlecht.

Bei den Grünen funktioniert es erstmals nicht so schlecht. Funktionierte, muss man sagen, denn Kuhn und Künast waren natürlich in der Tat eine Art Traumpaar. Aber Kuhn und Roth, das könnte schon schwieriger werden. Normalerweise aber klappt es nicht so gut mit Doppelspitzen. Es sei denn, einer ordnet sich dem anderen ganz klar unter, wie das zum Beispiel bei Carstens und Kohl der Fall war. Oder im Fall von Kiesinger und Barzel, wo in der Opposition Barzel der dynamische war. Ansonsten hat das immer Reibereien gegeben. Man denke nur an die beiden Troikas der SPD, das hat auch nicht so besonders funktioniert.

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