Kultur : Füllhorn der Moderne

Der Architekt Richard Meier als Designer: eine Ausstellung in seinem Frankfurter Museum

Christian Huther

Die Verschwisterung der Künste ist ein uralter Traum. Der Architekt Richard Meier nahm ihn auf und betätigt sich auch als Designer und Künstler. Vor 20 Jahren begann der Amerikaner, sich einen Namen mit Kunsttempeln wie dem Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main einen Namen zu machen. Das 1985 eröffnete Haus gilt als perfekte Symbiose von Alt und Neu, baute doch Meier um die klassizistische Villa Metzler drei große weiße Kuben, die ob ihrer lichtdurchfluteten Räume stets gelobt werden.

Jetzt widmet das Museum dem inzwischen weltberühmten 69-jährigen Architekten eine Hommage als „unentdeckter Designer und Künstler". Meier hat das Museum zwar auch mit Sitzbänken und Stehpulten ausgestattet, aber seine Möbel, Designobjekte und freien künstlerischen Arbeiten werden vorwiegend in Amerika verkauft. So bietet die Auswahl von 170 Produkten eine wenig bekannte Seite Meiers. Als Katalog ist eine Begleitpublikation in der edlen Edition Menges erschienen, die dem gestalterischen Anspruch Meiers gerecht wird.

Meiers Antrieb als Designer ist die Unzufriedenheit mit alltäglichen Dingen, wie er bei der Ausstellungseröffnung sagte: „Ich entwerfe nicht zuletzt deshalb, weil ich auf dem Markt keine Produkte gefunden habe, mit denen ich mich täglich umgeben möchte." Dabei betätigt er sich als Manierist der Moderne und bedient sich ungeniert ihres Vokabulars. Dieses Erbe versteht er nicht als Dogma, sondern als Spielmaterial. Meier entpuppt sich wahlweise als Anhänger der Wiener Schule, des holländischen De Stijl, des Konstruktivismus oder der Bauhaus-Moderne. Doch ihn interessieren allein die ästhetischen, nicht die sozialen Visionen.

Besonders der geometrische Wiener Jugendstil-Dekor hat es ihm angetan. So ist die Lehne seines schwarzen Stuhls von 1982 eher ein geometrisches Raumgitter aus drei Halbkreisen, deren Radius sich in der geschlossenen Sitzfläche wiederholt. Vorbild für diese senkrechte Halbzylinderform war Josef Hoffmanns „Fledermaussessel" von 1905. Der „Quadratl-Hoffmann" – so der Spitzname des 1956 gestorbenen Österreichers – stand oft Pate bei Meiers Ideen, wie viele kleine Objekte in den Vitrinen zeigen. Ein rundes Silbertablett erhält durch die quadratischen Ausstanzungen einen gewissen formalen Reiz, die mit einem dünnen Fadenkreuz gevierteilten Porzellantassen und -teller indes wirken arg gekünstelt.

Gewiss hat Meier auch gefälligere Formen entwickelt, vor allem bei dem mehr am Art déco orientierten Kristallglas. Doch Meier reizt die Durchdringung der Stile, wie seine für Alessi gefertigten, silbernen Tee- und Kaffeekannen zeigen. Sie sind barock-konstruktivistische Kombinationen runder und kubischer Formen. Sein mitten in den Ausstellungsraum platzierter Flügel für die Klavierbauerfirma Ibach (1995/7) dagegen ist ein rechteckiger Körper – hier hat der Baumeister Meier geformt. Klassisch-elegant kommen wiederum Meiers Armbanduhren daher; mit ihrer minimalen Ästhetik gehören sie zu den gewinnendsten Objekten, die er entworfen hat - ähnlich wie bei Max Bill.

Aber insgesamt kann der Amerikaner mit dieser europäischen Stilmixtur nicht durchweg überzeugen. Nicht zu hoch hängen darf man die künstlerischen Erwartungen auch bei seinen Collagen im Geiste von Dada oder Konstruktivismus und bei seinen kubischen Stahlskulpturen, die überdies ob ihres Gewichtes in Frankfurt lediglich als Fotos präsent sind. Auch wenn sich Meier auf Architekten wie Le Corbusier, Peter Behrens oder Charles Rennie Mackintosh beruft, die ebenfalls in anderen Disziplinen tätig waren, sollten wir den Designer und Künstler lieber „unentdeckt" lassen.

Museum für Angewandte Kunst, Frankfurt/Main, bis 18. Mai. Katalog in der Edition Menges, 36 €, im Buchhandel geb. 59 €.

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