• "Fundamentalismus im Islam": Mit westlicher Demokratie und Toleranz unvereinbar - Bassam Tibi warnt vor den Gefahren des Islamismus

Kultur : "Fundamentalismus im Islam": Mit westlicher Demokratie und Toleranz unvereinbar - Bassam Tibi warnt vor den Gefahren des Islamismus

Ludwig Watzal

Fundamentalismus ist ein neuzeitliches Phänomen, das fast allen Religionen eigen ist. Für eine Variante dieser Spielart der Intoleranz scheint die westliche Öffentlichkeit besonders sensibilisiert zu sein: den islamischen Fundamentalismus. In Deutschland gibt es eine intensive Diskussion über seine Gefährlichkeit. Sie reicht von einem "Schluss der Debatte" bis hin zu der These vom Fundamentalismus als einer Spielart des "Totalitarismus". Bassam Tibi, Syrer und Deutscher, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Göttingen, gehört ohne Zweifel zu den besten Kennern der Materie in Deutschland. Er war als einziger Deutscher Mitglied des renommierten Fundamentalismus-Forschungsprojekts an der American Academy of Arts and Sciences. Von diesem Projekt zehrt der Autor noch heute. Das vorliegende Buch fußt auf den Erkenntnissen der Studie, wie es denn auch eine komprimierte Zusammenfassung Tibischer Thesen darstellt, die der Autor bereits in zahlreichen anderen Monographien ausgebreitet hat.

Keine anti-islamische Panikmache

Tibi will sich nicht an der anti-islamischen Panikmache beteiligen. Er will nur "informieren und aufklären, um die Zerrbilder aufzulösen", die es über den Fundamentalismus gibt. Dieser sei weder ein "Medienprodukt" noch eine "Erfindung von Nato-Generälen". Er stelle eine ernste Bedrohung unserer Demokratie dar und sei eine neue Spielart des "Totalitarismus".

Nach Ansicht von Bassam Tibi ist der Fundamentalismus unvereinbar mit westlicher Demokratie und universellen Menschenrechten. Der Islamismus oder islamische Fundamentalismus habe nichts mit religiöser Renaissance zu tun, sondern er "formuliert seine Ordnungsvorstellungen im Zeitalter der Revolte gegen den Westen". Die angestrebte Gottesherrschaft ( Hakimiyyat Allah) sei nichts anderes als eine neue "totalitäre Ordnung".

Der politische Islam steht laut Tibi der demokratischen Volkssouveränität diametral entgegen. Damit widerspricht der Autor fast allen deutschen Islamwissenschaftlern. Ihnen gilt seine besondere Zuneigung, da er sie für inkompetent und blauäugig hält. Warum muss der Autor in jedem seiner Bücher diese Vorwürfe erheben? Es können doch nicht auf allen Lehrstühlen an deutschen Universitäten Ignoranten und Analphabeten des Islamismus sitzen?

Religion und Politik nicht getrennt

Für religiöse Islamisten gibt es keine Trennung von Religion und Politik. Die Gesetze der Scharia, dem Religionsgesetz, genießen Vorrang vor den staatlichen Gesetzen. Dieser Anspruch der Islamisten ist zu Recht in Frankreich vehement zurückgewiesen worden. Tibi plädiert für "null Toleranz" für die Wortführer der Intoleranz. Hauptangriffsziel der Islamisten sei der Nationalstaat, da nur er Demokratie und Recht garantieren könne. Folgerichtig fordert Tibi eine "restriktive Einwanderungs- und Integrationspolitik als bestes Mittel gegen den importierten religiösen Fundamentalismus".

Was man Tibis Alarmismus nicht absprechen kann, ist seine Kenntnis der arabischen Gesellschaften und der Schriften der Islamisten. Ob seine Interpretation alleinige Authentizität beanspruchen kann, ist umstritten. Tibis Euro-Islam kann kein Ausweg für den Islam aus dem Dilemma der kulturellen Moderne sein, da er als exklusive Weltanschauung einiger weniger westlich beeinflusster Intellektueller auftritt. Mehr Gelassenheit und Vertrauen auf die Kraft der Freiheit und der Demokratie täten dem Westen gut. Keine totalitäre Bewegung hat bis heute den Bazillus der Freiheit besiegt, warum sollte der islamische Fundamentalismus eine Ausnahme sein?

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