Kultur : Gamelanmusik: Nuancen der Zimbel

Jochen Metzner

Auch im Zeitalter rasanter Globalisierung stellt die von Java und Bali stammende Gamelanmusik eine einzigartige Kunstform dar. Nirgendwo sonst wird die orchestrale Verlagerung einer oftmals komplexen Melodik auf ein fast reines Perkussions-Instrumentarium so weit getrieben. Zum tönenden Aushängeschild ist dabei vor allem die enorme Fülle der metallischen, meist bronzenen Schlagwerkzeuge und Gongs aller Art geworden. Was seit jeher für Zeremonien oder die Begleitung balinesischer Schattenspiele gut war, sollte auch für die innovative Begegnung mit westlicher Musik taugen, dachte sich der javanesische Wahlberliner Paul Gutama Soegijo. Gemeinsam mit Instrumentalisten der hiesigen Rock- und Alte Musik-Szene schuf er die Banjar Gruppe Berlin. Bei deren Konzert in der Werkstatt der Kulturen wird der Kontrast zwischen flirrenden Schwebeklängen traditioneller Metallophone und einer immer enger gefassten Struktur virtuos ausgespielt. Die Annäherung an hiesige Bräuche geht manchmal so weit, dass auch das verlässliche Taktgefüge eines Rock-Schlagzeugs nicht gescheut wird. Faszinierender sind jedoch eher jene Passagen, in denen mit Schellenbaum, Zimbeln und riesigen Gongs ein Klangteppich erzeugt wird, der durch seine Unregelmäßigkeiten die tausend Nuancen des Lebens betont.

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