Kultur : Ganz tief unten

Im Horrorfilm „The Descent – Abgrund des Grauens“ wird eine Höhle zur Hölle

Karl Hafner

Vor dem eigenen Leben kann man nicht davonlaufen. Um zumindest etwas Ablenkung vom Alltag zu haben, trifft sich eine Gruppe junger Frauen jedes Jahr zu einem Extremsport-Ausflug. Sie kennen sich schon lange, sie sind Freundinnen. Trotzdem spürt man bereits zu Beginn von „The Descent – Abgrund des Grauens“ etwas Feindseliges zwischen den Frauen. Das Gesicht der Anführerin Juno (Natalie Mendoza) wirkt zu verbittert nach einem harmlosen Scherz Sarahs (Shauna Macdonald) auf ihre Kosten. Aber dann wird doch noch gelacht. Glückliche Zeiten. Auf der Heimreise ist es damit vorbei. Nach einem Autounfall sterben Sarahs Mann und ihre Tochter.

Neil Marshall verzichtet in seinem zweiten Horrorfilm, nach der Werwolf-Geschichte „Dog Soldiers“, auf jeglichen Humor. Bereits nach wenigen Minuten herrscht eine kalte, angespannte Atmosphäre, die der Film bis zur blutigen Eskalation nicht mehr aufgeben wird. Sarahs Unglück spürt man ständig, in den unsicheren Scherzen der Gruppe, in der hilflosen Kommunikation.

Ein Jahr nach dem Unfall organisiert die Gruppe eine Höhlen-Expedition. Sarah soll abgelenkt werden von der Trauer um ihre Familie und wird dann doch unerbittlich mit dem Tod konfrontiert. Kurz nach dem Einstieg in die Höhle gibt es kein Zurück mehr, der Ausgang ist verschüttet. Zombieartige Kreaturen hausen hier seit Jahrhunderten und töten, was sich unter die Erde verirrt. Eine blutige Hetzjagd beginnt. Die Leinwand ist selten ganz ausgeleuchtet. Dadurch entsteht ein bedrückendes Gefühl von Klaustrophobie. Leuchtstoffröhren, chemische Fackeln, ein Camcorder werfen nur kurz spärliches Licht auf mögliche Fluchtwege, bevor alle Hoffnung wieder im Dunklen verschwindet.

Marshall inszeniert gnadenlos. Mit rigoroser Härte wird getötet und gestorben. Ohne Sentimentalität bleiben erst die Freundschaft, dann die Menschlichkeit auf der Strecke. Die Frauen werden in ihrem Kampf den blutrünstigen Kreaturen immer ähnlicher. Der eigentliche Horror dieses Films ist sein Nihilismus. Es gibt keinen Ausweg, nirgends.

In acht Berliner Kinocentern

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