Geburtstag : Zum 70. des Dirigenten Marek Janowski

Unter dem Motto "Das Wesentliche ist die Musik" hat Marek Janowski im Herbst 2002 seinen Posten als Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin (RSB) angetreten. Am heutigen Mittwoch wird er 70.

Frederik Hanssen
Janowski
Der Dirigent Marek Janowski. -Foto: RSB/ Broede

Dieser neumodische Schnickschnack ist nichts für ihn. Marek Janowski gehört nicht zu den Maestri, die virtuos mit den Medien spielen, lässig ihre eigenen Auftritte moderieren und nebenbei noch einen Video-Blog haben. Nein, wer Marek Janowski erleben will, muss sich den Traditionen des bildungsbürgerlichen Klassikbetriebs unterwerfen, muss bereit sein, sich auf nichts anderes zu konzentrieren als das jeweilige Programm. Dafür wird er dann aber auch mit größtmöglicher künstlerischer Ernsthaftigkeit seitens der Tonkünstler und ihres Kapellmeisters belohnt.

Unter dem Motto „Das Wesentliche ist die Musik“ hat Marek Janowski im Herbst 2002 seinen Posten als Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin (RSB) angetreten – und dem zuvor im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung stehenden Ensemble schnell einen klar definierten Platz innerhalb der hauptstädtischen Musikszene erobert. Ausgerechnet in Berlin, dem viel beschworenen Laboratorium der Zukunftskunst, fand der bekennende Konservative seinen idealen Platz. Mit diesem Job, den ihm das RSB bereits symbolisch „auf Lebenszeit“ angetragen hat, krönt der 1939 in Polen geborene, aber in Deutschland aufgewachsene und ausgebildete Janowski seine Karriere, die ihn von der deutschen Provinz in die Metropolen führte – von Aachen, Düsseldorf und Hamburg über Freiburg und Dortmund bis nach Köln und Dresden –, sie sich parallel auch im frankophonen Raum entwickelte, wo er ab 1984 16 Jahre lang das Orchestre Philharmonique de Radio France leitete, später in Monaco wirkte, bevor er 2005 Musikdirektor des Orchestre de la Suisse Romande wurde.

Wenn sich Marek Janowski eine Partitur vornimmt, sucht er nicht nach einem neuen, überraschenden, subjektiven Zugang zu dem Opus, sondern schlicht nach der Essenz des Werkes, nach der Kernaussage, die gerade bei den Konzertsaal- Hits oft unter diversen Staubschichten der Rezeptionsgeschichte verborgen liegt. Diese Gebrauchsspuren möchte Janowski abtragen, um die Meisterwerke so zeigen zu können, wie sie seiner Überzeugung nach ursprünglich intendiert waren, ganz im goetheschen Sinne: „Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.“

Mit diesem altmodischen Arbeitsethos, bei dem Demut, Stil- und Selbstbewusstsein eine Symbiose anstreben, hat sich Janowski viele Freunde gemacht. An seinen heutigen 70. Geburtstag übrigens widmet er sich gewohnt uneigennützig einem anderen Jubilar: Er probt Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, der vor 200 Jahren geboren wurde und den er mit dem RSB am 24. und 26. Februar in zwei Konzerten feiern will.

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