Gedenken an NS-Opfer : Mahnmale für Sinti und Roma und Homosexuelle werden gebaut

Die seit Jahren geplanten Mahnmale zur Erinnerung an die in der NS-Zeit ermordeten Sinti und Roma und verfolgten Homosexuellen können jetzt in Berlin gebaut werden. Baubeginn ist bereits im Februar.

Sinti-und-Roma-Mahnmal
In unmittelbarer Nachbarschaft zum Reichstag soll das Sinti-und-Roma-Mahnmal gebaut werden. -Foto: dpa

BerlinKulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat für die Konzepte die breite Zustimmung des Bundestagskulturausschusses erhalten, teilte er heute mit. "Damit ist endlich der Weg frei für die Errichtung und Einweihung dieser Denkmäler." Laut Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) soll mit dem Bau des Sinti-und-Roma-Mahnmals am Reichstag schon im Februar begonnen werden. Das Mahnmal für die Homosexuellen gegenüber dem Holocaust-Denkmal soll im Frühjahr folgen.

Am 20. Dezember 2007 hatte sich bereits der Bundesrat einstimmig für das Sinti-und-Roma-Denkmal ausgesprochen. Es geht auf einen Beschluss der Bundesregierung aus dem Jahr 1992 zurück. Der Bund stellt bis zu zwei Millionen Euro zur Verfügung, das Land Berlin das Grundstück.

Langer Streit um Widmungstext

Als Standort ist ein Grundstück im Tiergarten in direkter Nachbarschaft des Reichstagsgebäudes vorgesehen. Der Denkmalsentwurf in Gestalt eines Brunnens stammt von dem israelischen Künstler Dani Karavan. Beim Denkmalstext sind die Anregungen der Opferverbände "weitestgehend aufgenommen worden", wie es in einer Entschließung des Bundesrates vom vergangenen Dezember heißt. Der Brunnenrand soll ein Gedicht des Italieners Santino Spinelli ("Auschwitz") zitieren: "Eingefallenes Gesicht/ erloschene Augen/ kalte Lippen/ Stille /ein zerrissenes Herz/ ohne Atem/ ohne Worte/ keine Tränen".

Wie Neumann betonte, ist der gesamte Widmungstext, der auch die Opfer benennt, in der Vergangenheit zwischen den beiden Opferverbänden Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sowie Sinti Allianz Deutschland umstritten gewesen. Er sei jetzt "auf der Basis von Vorschlägen beider Verbände und in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte (München/Berlin) und dem NS- Dokumentationszentrum der Stadt Köln erarbeitet worden".

In der Bundesratssitzung hatte Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU) an den 16. Dezember 1942 erinnert. An jenem Tag unterzeichnete der SS-Führer Heinrich Himmler den sogenannten Auschwitz-Erlass und besiegelte damit die Ermordung von europaweit mindestens 500.000 Sinti und Roma. Bundesratspräsident von Beust erinnerte daran, dass Sinti und Roma mit zwölf Millionen Menschen die mit Abstand größte Minderheit in der EU darstellen und warnte vor "Vergessen und Verdrängen".

Endloser Kuss

Die Errichtung eines Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen unweit des Brandenburger Tores war im Jahr 2003 vom Bundestag beschlossen worden. Es wird 600.000 Euro kosten. Der ausgewählte Entwurf des Künstlerduos Elmgreen und Dragset nimmt Bezug auf das gegenüberliegende Holocaust-Mahnmal von Peter Eisenman. Grundform ist eine Stele, die denen von Eisenman ähnelt. Durch ein Fenster sieht man die Filmprojektion einer scheinbar endlosen Kussszene eines gleichgeschlechtlichen Paares, im Zwei-Jahres- Rhythmus Männer oder Frauen. In der NS-Zeit wurden Schätzungen zufolge 54.000 Homosexuelle verurteilt, etwa 7000 wurden in Konzentrationslagern ermordet. (svo/dpa)

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