Kultur : Geht’s noch guhut?

Albern währt am längsten: Otto Waalkes spielt im Berliner Admiralspalast

Florian Zimmer-Amrhein
Ostfriesenkasperle. Foto: snapshot-photography
Ostfriesenkasperle. Foto: snapshot-photographyFoto: snapshot-photography

Eine Otto-Liveshow, das ist virtuos infantile Albernheit, das ist ein altbekannter Kalauer nach dem anderen, dazwischen Songs, die jeder echte Otto-Fan mitsingen kann. Ein Wunschkonzert, bei dem jede Nummer wie selbstverständlich schon auf der Wunschliste steht. Otto Waalkes, der witzigste Ostfriese der Welt, bleibt sich auch nach fast vierzig Jahren auf der Bühne treu. Die Vorstellung beginnt wie angekündigt um Punkt 20.07 Uhr. Auch das soll vermutlich schon als Witz verstanden werden.

In schlabbrigem Jogginganzug stolpert Otto auf die Bühne und sieht dabei aus, als wäre er aus dem Bett direkt auf die Bühne gefallen. Ein mit Kopfstimme gejodeltes „Hollederidi!“ ist die obligatorische Begrüßungsformel von Waalkes, das darauf folgende „Hallo Berlin!“ beantwortet das Publikum lauthals im Chorus: „Hallo Otto!“. „Geht’s euch guhut?“ „Jaaha!“ Das Frage-Antwort-Spiel mit den Zuschauern setzt sich noch einige Minuten fort, bis es restlos ausgereizt ist.

Bevor es richtig losgeht, werden noch die Zuschauer auf den hinteren Rängen in absurder Zeichensprache mithilfe von Signalflaggen begrüßt. Die Flaggen eignen sich natürlich für allerlei Schabernack, den sich Otto nicht entgehen lässt. Sämtliche Bezirksnamen Berlins werden ausgestikuliert, bei Lankwitz hält er sich die Flaggen als langes Phallussymbol vors Geschlecht, bei Kleinmachnow ist es dasselbe, nur mit einer ganz kleinen Fahne.

Was einfallslos oder anbiedernd wirken könnte, ist bei Waalkes komödiantisches Kalkül. Er bezieht das Publikum in jeden Sketch mit ein, auch bei den zahlreichen Songs stampft er den Viervierteltakt vor und animiert zum Mitklatschen und -singen. Auf diese Weise schafft er eine Wohnzimmeratmosphäre im Saal, in der seine Albernheiten erst so richtig fruchten können. Waalkes muss nur Stichwörter liefern – eine Grimasse oder ein Refrain reichen bereits –, das Publikum schmeißt den Rest der Show und beklatscht selbst platteste Gags frenetisch. Dabei wirkt Waalkes gekonnt planlos. Er irrt zwischen Lesepult, Gitarren- und Mikrofonständer hin und her, er stammelt sich von Witz zu Witz, schielt vielsagend auf die Setliste, greift die falsche Gitarre und verspielt sich am laufenden Band. Nebenbei schafft er es noch, Regieanweisungen hinter die Bühne zu geben. Er verbringt mehr als fünf Minuten mit einem Monolog, dessen Pointe es ist, bei jedem scharfen Konsonanten die erste Reihe zu bespucken. Der Sketch gipfelt in einem fundamentalen Rülpser und einem Stromausfall. Eine Panne reiht sich an die nächste, bis der Eindruck von minutiös geplantem Chaos entsteht.

Während des rund zweieinhalbstündigen Auftritts spielt Waalkes wirklich alles, was die Fans hören wollen. Auch das Schlumpflied oder den Mallorca-Hit „Wir haben Grund zum Feiern“. Zur Begeisterung der vielen Kinder im Publikum schießt er mit einer Haubitze Ottifanten-Stofftiere ins Parkett. Da verzeiht man ihm, dass die restliche Show aus wenig kindgerechtem Unterleibshumor besteht. Überhaupt verzeiht man dem Wegbereiter der deutschen Comedy alles, selbst ein mittelmäßiges Spaßprogramm. Florian Zimmer-Amrhein

„Otto Live“, Admiralspalast, 19. bis 22. und 25. bis 29. August.

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