Kultur : Geldwäsche: Die Peseta

Frederik Hanssen

Am meisten werden die Spanier wohl das vermissen, was sie genau genommen nie hatten: das Nichts. Jenes kleine Nichts von knapp fünf Millimetern Durchmesser, das Loch in ihrer 25-Peseten-Münze: Man kann durch dieses lichte Rund in trügen Siesta-Stunden die spanische Sonne betrachten, die - so weiß es zumindest der deutsche Schlager - "bei Tag und Nacht" scheint; andererseits ist es zu schmal, um etwa einen Strohhalm für den Sangria-Eimer druchzustecken. Weshalb die 25-Pta-Münze bei Ballermann-Touristen auch stets eher wenig Reputation besaß. Mancher Einheimische dagegen wird wohl ein letztes Exemplar des löchrigen Kleingelds in die neue Zeit hinüberretten wollen, ihm vielleicht sogar einen Ehrenplatz am Goldkettchen einräumen, neben dem obligatorischen Kreuz.

Während die spanischen Geldscheine eher bescheiden anmuten (es heißt, für die viel größeren Euro-Lappen müssten landesweit neue, geräumigere Portemonnaies her), spiegeln die Münzen mit dem Königs-Konterfei Nationalstolz. Vor allem die 100 Pesetas, nobel glänzend und dick wie eine goldene Dukate aus seliger Kolonialherrenzeit. Wem sich nach dem Besuch von Tapas-Bars (und nach einigen Sherrys) vom schwergewichtigen Wechselgeld die Hosentasche beult, dem kann schon mal der Kamm schwellen. Der fühlt sich wieder als Mann von Weltmacht.

Überhaupt wären die Menschen zwischen San Sebastian und Cádiz statt ihrer Pta wohl lieber die Eta losgeworden. Diesen Konflikt aber, sehr innerspanisch, löst kein europäischer Verbund. Es gibt ohnehin viel Wichtigeres auf der Welt als Moneten - ob Dollars oder Peseten: Daran wird der Spanienreisende auf dem mallorquinischen Flughafen erinnert. Über dem Toilettenspiegel gemahnt ein Aufkleber an die wahre, die natürliche Quelle irdischen Reichtums. In Spanisch, Englisch und - irgendwie - auch in Deutsch: "Das Wasser ist Leben. Schmeiß das nicht!"

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