Kultur : Genprodukte: "In der Dritten Welt gehen Menschen ein größeres Risiko ein"

Das ist die ökonomische Sicht.

Die Industrieländer haben die Wahl, ob sie Gen-Produkte wollen oder nicht. Den Entwicklungsländern sagt man, nehmt es, das ist gut für euch. Warum?

In Industrienationen stellen die Ausgaben für Nahrungsmittel nur noch einen geringen Teil der Gesamtausgaben der Verbraucher dar. Damit ist der Vorteil, den man aus billigeren Grundnahrungsmitteln, und damit aus der Gentechnik ziehen kann, gering. Weil der Nutzen in die Verbraucher in den Industrieländern relativ gering ist, sind sie auch nicht bereit, das zusätzliche Risiko, das mit diesen Produkten verbunden ist, einzugehen. Anders ist die Situation in den Entwicklungsländern. Dort geben die Menschen einen größeren Teil ihrer Einkommen für Grundnahrungsmittel wie Weizen, Reis und Mais aus und sind damit auch bereit, ein größeres Risiko einzugehen.

Das ist die ökonomische Sicht.

Man muss betonen, dass die Gentechnologie eindeutig zu Risiken für Umwelt und Gesundheit führen kann. Darüber hinaus gibt es ethische Bedenken, die wir ernstnehmen sollten. Biotechnologie ist kein Allheilmittel zur Lösung des Welthungers, kann aber einen Beitrag dazu leisten. Es darf auf keinen Fall dazu führen, dass wir die Hände in den Schoß legen. Wichtiger ist vielmehr, nachhaltige und angepasste Landwirtschaft in den Entwicklungsländern zu fördern und damit die Armut zu bekämpfen sowie Einkommen und Arbeit zu schaffen.

Ist die Dritte Welt überhaupt ein Markt für solcherlei Produkte?

Im Augenblick sind Entwicklungsländer nur ein sehr begrenzter Markt für diese Produkte. Dies könnte sich ändern, wenn auch dürre-resistente Getreidesorten oder Grundnahrungsmittel mit einem höheren Vitamin- und Mineralstoffgehalt angeboten würden. Bei Reis ist es gelungen, Vitamin-A-reiche Sorten erfolgreich einzusetzen.

Können sich die Entwicklungsländer die Produkte leisten?

Für viele Entwicklungsländer sind diese Produkte noch zu teuer. Um den Entwicklungsländern Zugang zu diesen Produkten zu verschaffen, könnten ganz gezielte Maßnahmen eingeleitet werden. Beispielsweise könnte es international Ausschreibungen für neue Reis- oder Weizensorten mit ganz bestimmten Eigenschaften geben wie Dürreresistenz oder Vitamingehalt. Das günstige Angebot aus privater und öffentlicher Forschung würde den Zuschlag erhalten. Subventionen zum Beispiel aus der Entwicklungshilfe könnten helfen, diese Produkte preisgünstig den Entwicklungsländern zur Verfügung zu stellen. Damit könnte auch verhindert werden, dass sich die Forschung hauptsächlich auf Produkte in den Industriestaaten konzentriert, wie dies leider heute der Fall ist.

Können Entwicklungsländer von einzelnen Firmen abhängig werden?

Die Gefahr besteht eindeutig. Um so wichtiger ist es, Gelder für die öffentliche internationale Agrarforschung zur Verfügung zu stellen. Das Budget dieser Forschungszentren ist leider zunehmend unter Druck und ist im vergangenen Jahr sogar nominal gesunken. Die Institute müssen gestärkt werden, um die Produkte anzubieten, die zur Bekämpfung des Hungers in den Entwicklungsländern beitragen können.

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